Samstag, 30. Dezember 2017

Muskelkaterlektion

Ich habe immer noch Muskelkater. Meine Oberschenkel brennen und schmerzen bei jeder Berührung. 



Vor 3 Tagen sind wir auf den knapp 1600m Berg Roys Peak gewandert, 1200 Meter hinauf auf 11km. Und wieder runter. Auf dem Weg nach oben dachte ich: “Wenn ich nur erstmal oben bin habe ich es geschafft. Dann ist die Anstrengung vorbei.” Tja, falsch gedacht. Abzusteigen war mindestens genau so anstrengend wie hinauf, die Beine haben gezittert und nachgegeben und auf dem staubigen Untergrund konnte man kaum gehen, sondern musste quasi runter rennen. 


Mein Mann fand es super. Ich fand die Stunde, als wir die Aussicht auf dem Gipfel genossen haben, auch super. Seine Ermutigungen auf dem Weg dorthin und seine freudigen Seufzer und sein Genießen konnte ich leider nicht ganz teilen. Es war wirklich so so anstrengend und meine Beine taten und tun dermaßen weh, dass ich zwischendurch hätte weinen können. Aber: ich habe es geschafft. Wir haben es gemeinsam geschafft. Und wir haben beide etwas gelernt bei dieser anstrengenden Wanderung. Tobias das Warten. Und ich die Ehrfurcht. 



Auf unserem Weg nach Wanaka, von wo aus wir unsere Wanderung gemacht haben, sind wir bereits über viele Berge und Bergketten gefahren, durch die “südlichen Alpen”, vorbei an Gletschern und Regenwald und den tollsten Schluchten. Ich habe sie bestaunt und bewundert und Gottes Größe gelobt, ohne wirklich zu verstehen und die Größe zu fühlen. Jetzt, wo ich selbst und aus eigener Anstrengung hochlaufen musste und die Erschöpfung in meinen Beinen fühle, kann ich die Größe und Erhabenheit besser verstehen. 


Und wie viel größer ist mein Gott, der Berge versetzen kann, dem nichts unmöglich ist, der die Berge gemacht hat und sich auch gleichzeitig für mein Herz interessiert! 

Mein Muskelkater erinnert mich noch daran, und dieses ehrfürchtige Gefühl werde ich hoffentlich auch nicht verlieren, wenn der Muskelkater verflogen ist. 

Leider hatte ich diese Erkenntnis nicht auf dem Gipfel mit der atemberaubenden Aussicht. 
Sonst wäre der Abstieg vielleicht so leicht gewesen, wie für das frischverlobte Paar, dessen Heiratsantrag wir auf dem Gipfel miterlebt haben :) aber so war der Muskelkater eben doch zu etwas gut! :) 


Love, anni

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