Sonntag, 10. Dezember 2017

Fliegt die Zeit?

Wir sind in Australien! Immer wieder muss ich es mir laut sagen und mich selbst daran erinnern, dass ich den Moment voll leben und genießen kann: wir sind in Australien!


 Seit 8 Jahren warte ich darauf, zurück zu kommen und seit 7 Jahren warte ich darauf, Tobias Australien zu zeigen. Seit ca. einem Jahr wurden diese Träume immer konkret. So oft habe ich eine Weltkarte oder einen Globus gesehen und mich auf die andere Seite der Weltkugel geträumt. Und jetzt sind wir hier, für 8 Tage. Wenn ich nicht aufpasse, dann wache ich am Donnerstag in Neuseeland auf und frage mich, wo die Zeit hin ist.

Das Ding ist: die Zeit war da! Aber wo war ich?!


Die Zeit scheint zu verfliegen, aber objektiv betrachtet besteht eine Stunde immer aus 60 Minuten. Im Urlaub, bei der Hochzeit, mit einem Neugeborenen und auch bei der Arbeit, in Krankheit und Trauer und Krisen. Eine Stunde ist eine Stunde. Hochphilosophisch 😄

Deshalb will ich lernen diese 60 Minuten, die mir jeden Tag sogar 24 Mal geschenkt werden, voll zu leben und zu genießen.
Denn sonst verfliegt ein Tag, den man ein Jahr lang vorbereitet und Tausende Euros ausgegeben hat; zwei Wochen, für die man ein Jahr lang arbeitet; kostbare erste Monate, die nie wieder kommen werden.
Dankbarkeit ist ein Universalschlüssel zu unzähligen Geheimnissen.
Das weiß ich spätestens, seit ich vor 3 Jahren Ann Voskamps Buch gelesen habe. 1000 Geschenke und so viel mehr. Ich will sie wieder bewusst sammeln, wie schon beim Lesen des Buchs.

1. super Flüge
2. Laura Wiedersehen
3. ein super gemütliches Bett in der 1. Nacht
...
16. Eukalyptusduft in der Luft
17. Aussie Barbie
18. unbekanntes Vogelgezwitscher
!19.! Nicht mehr sagen zu müssen: „Die Zeit verfliegt“

⬆️ Die Zeit verfliegt nicht. Ich kann sie totschlagen, rumbringen, verstreichen lassen oder nutzen und genießen. Und ich will mir nicht mehr selbst sagen, wie die Zeit verfliegt, sondern mich und andere daran erinnern, sie zu genießen.


Meine Zeit steht in Gottes Händen. Ich darf in ihm ruhig sein.

Noch bis Mittwoch sind wir in Australien, bevor es weitergeht nach Neuseeland. Ein gutes Übungsfeld für mich.


Genießt den 2. Adventssonntag 🕯🌠
Love, anni



Dienstag, 5. Dezember 2017

Muskathlon: die Bedeutung des Paten

Ihr Lieben, ich bin gerade in der Luft =) Und ihr dürft etwas über den Muskathlon lesen =)

Letztes Jahr habe ich euch von jedem einzelnen Tag berichtet. Dieses Jahr mache ich es ein bisschen anders. Ich erzähle euch von einzelnen Begegnungen. Denn die Begegnungen sind es, die den Muskathlon einzigartig machen, von einem Urlaub abheben und eigentlich der Grund für die Reise sind.

Heute möchte ich euch Erlan vorstellen. So ein besonderer Mann!
Erlan ist ein Mitarbeiter von Compassion und das besondere ist: er war selbst Patenkind bei Compassion.

Er hat eine berührende Geschichte, als er sie mit uns geteilt hat, liefen bei mir die Tränen.

Erlan kam als kleiner Junge aus einer buddhistischen Familie zusammen mit seinen Brüdern zum Compassion Projekt. Seine Eltern waren arm und konnten die Familie nicht ernähren, sie hungerten oft und teilten den letzten Reis unter ihren Kindern auf. In besonders harten Fällen nimmt Compassion bis zu drei Kinder einer Familie ins Programm auf, so wie es auch bei Erlans Familie der Fall war.

Erlans Brüder fanden schnell Paten, doch bei Erlan dauerte es eine Weile. Er hatte kein besonders gutes Selbstwertgefühl, durch das lange Warten auf einen Paten wurde das auch nicht unbedingt besser. Vor allem, als er endlich einen Paten fand, der dann die Patenschaft wieder kündigte, wurde sein kleines Herz gebrochen. Was für mich wirklich unvorstellbar ist: den Verlust eines Paten erlebte Erlan sogar zwei mal. Ein weiteres Mal wurde Erlan als Patenkind ausgewählt und ein weiteres Mal wurde die Patenschaft nach kurzem beendet. Für den armen, traurigen Jungen aus Indonesien ein Schlag ins Gesicht und die Botschaft: Ich bin es einfach nicht wert. Keiner will mich.

Als die dritten Paten gefunden waren, hatte Erlan keine großen Erwartungen mehr. Seine Motivation das Kinderzentrum zu besuchen, war ebenfalls gering. Doch diesmal war etwas anders: Seine Paten schickten ihm viele Briefe und versicherten ihm, dass sie ihn lieb hatten, dass er ein toller Junge war und dass sie ihn hübsch fanden.
Erlans Paten schrieben ihm regelmäßig und in einem ihrer Briefe erzählten sie ihm, dass die kleine Tochter der Familie Erlans Bild am Kühlschrank regelmäßig küsste! Erlan freute sich so sehr das zu hören, er fühlte: Ich bin wichtig für jemanden.
Erlans Paten, eine christliche Familie, erzählte ihn ihren Briefen auch von Jesus. Natürlich kannte er Jesus aus dem Kinderzentrum, doch der Glaube und die Liebe seiner Paten bewegte etwas in Erlan: durch die Briefe seiner dritten Paten fand Erlan zum Glauben an Jesus!

Heute arbeitet er für Compassion in ganz Asien, hauptsächlich in Indonesien, seinem Heimatland. Er ist verheiratet und hat eine kleine Tochter, die er selbst ernähren kann, da er eine gute Festanstellung bei Compassion hat. Mit seiner Liebe und seiner Offenheit hat Erlan mein Herz schnell gewonnen, es ist leicht, ihn als Freund zu gewinnen.

Und Erlan machte mir besonders klar, wie wichtig es ist, meinen Patenkindern zu schreiben. Die Kinder sehnen sich so sehr nach den Briefen ihrer Paten, die ihnen sagen:

Ich hab dich lieb.
Du bist wunderschön.
Du bist eine Prinzessin/ ein Prinz Gottes.
Du hast eine wichtige Aufgabe.
Du bist klug.
Du kannst es schaffen.
Ich glaube an dich.
Du bist wertvoll.
Gott ist in deiner Schwachheit mächtig.

Schreib deinem Patenkind mal wieder. Es macht einen Unterschied!

Love,
anni



Montag, 4. Dezember 2017

Goodbye Deutschland

Nein, wir machen nicht bei der Reality TV Show mit. Aber mit dem Satz "Ah, die Auswanderer" wurden wir in den letzten Wochen am häufigsten begrüßt. Und jetzt wird es ernst. Heute fliegen wir (tatsächlich - endlich!) nach Australien!
Dort besuchen wir für eine Woche lang Freunde von mir, bevor es dann nach Neuseeland, unserem Zielland, weitergeht.

Und wir sind so bereit. Ein bisschen aufgeregt, aber bereit. Fast ein ganzes Jahr lang haben wir den Gedanken vorbereitet und uns auf unsere Reise gefreut. Und jetzt verlassen wir Deutschland - ohne genau zu wissen, wann wir wieder kommen.
Wir verlassen Deutschland und die Kälte - nur wir zwei. Mit Jesus. Ins Abenteuer, am "Ende der Welt".

"Singet dem Herrn ein neues Lied, seinen Ruhm am anderen Ende der Erde." Dieser Vers aus Jesaja 42 war gestern die Tageslosung. Und wir fühlen uns gerufen, empfangen und beauftragt, auch am anderen Ende der Erde unserem Herrn ein neues Lied zu singen. Für mich beginnt heute auch ein neues Lebensjahr, es ist mein 25. Geburtstag. Und ich bin gespannt, auf die neue Melodie, mit ihren Höhen und Tiefen, die wir in diesem Jahr singen werden.

Love,
anni