Dienstag, 3. Oktober 2017

Vereint.

Heute ist ein besonderer Tag für uns. Tobias letzter Arbeitstag, bevor wir die Reise nach Indonesien zum Muskathlon antreten.
Ich habe heute ein bisschen länger geschlafen, als sonst. Tobias ist schon lange bei der Arbeit, als ich aufstehe. Ein kurzer Blick in mein Handy und mir wird klar, dass heute nicht nur für uns ein besonderer Tag ist. Sondern für ganz Deutschland. Heute ist Tag der deutschen Einheit.
Ein Feiertag in Deutschland. Aber niemand, den ich kenne, feiert diesen Tag. Außer meine Schulfreundin Anna, die heute Geburtstag hat. Happy Birthday, Anna. Und Happy Birthday, Deutschland! Ihr seid ja fast gleich alt. Deutschland ist zwei Jahre älter als Anna und ich. Wir kennen nur ein vereintes Deutschland.
Und obwohl jeder Schüler über die Einheit (aber eigentlich viel mehr über die Trennung) Deutschlands lernt, sollten wir eigentlich Bescheid wissen. Aber tun wir das?
Zumindest nicht emotional. Als ich heute morgen das Video der Bundesregierung auf Facebook sah, kamen mir die Tränen. Ich weiß nur aus Erzählungen, wie es ist, in diesem getrennten Deutschland zu leben. Ich weiß nur so ungefähr, was meine Eltern fühlten und dachten, als die Mauer fiel. Ich weiß nur so ungefähr, was es für meine Großeltern bedeutete. Ich kann nur erahnen, welche Freude und welche Liebe in der Luft gelegen haben mussten!
Und doch ist es so natürlich. Vereint zu sein ist doch viel schöner, als getrennt. Zu zweit ist es besser, als allein. Gott hat uns für Gemeinschaft und für Vereinigung gemacht. Für Zusammenhalt und für gemeinsame Projekte und Leidenschaften.
Gott hat uns dafür gemacht, Gemeinschaft zu haben. Trennungen widersprechen doch zutiefst dem, was wir eigentlich tief in uns wollen. Ist eine Trennung nicht belegt mit Urängsten? Die Trennung von der Mutter, von den Eltern, die Trennung der Eltern, später die Trennung vom Partner oder den eigenen Kindern? Selbst als Erwachsene haben wir Angst, unsere Eltern zu verlieren. Wir leben mit dieser Urangst, weil Gott uns für Gemeinschaft gemacht hat! Wir sind nicht dazu gemacht, allein zu sein. Gott sagt: "Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist."
Gleichzeitig tragen wir ein Bedürfnis nach Freiheit in uns. Auch diese Freiheit will Gott uns schenken. Und wir dürfen in Freiheit leben, in unserem Land.

"Wir wollen in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt dienen", wurde vor 27 Jahren über Deutschland gesagt. Tun wir das auch heute! Lassen wir Deutschland "im Glanze seines Glückes blühen", in ALL SEINER VIELFALT. Lassen wir uns bereichern, von wunderbaren Menschen, die auch in Deutschland wohnen möchten. Die Freiheit erleben möchten und Gemeinschaft. Ist ein Garten nicht viel schöner, wenn viele verschiedene bunte Blumen blühen?

Ich weiß es nicht, aber vielleicht weißt du noch, wie es ist, in einem Land zu leben, das dich durch eine Grenze von deinen Lieben trennt.
Vielleicht weißt du noch, wie es ist, in einem Land zu leben, das kontrolliert wird und in dem du Mangel leidest.
Vielleicht weißt du noch, wie es ist, in einem Land zu leben, in dem du Angst hast und deine Meinung nicht äußern darfst.

Ich sehe keine Grenzen. Nur Schönheit. 
Ich weiß es nicht. Und ich will es mir auch nicht vorstellen. Und ich wünsche es niemandem, in solch einem Land zu leben.
Aber wie kann man in 27 Jahren vergessen, wie schön es ist, vereint zu sein und plötzlich anderen verwehren zu wollen, dazuzugehören? Spüren wir noch etwas davon, dass Deutschland dem Frieden der Welt dienen möchte? Welchen Beitrag trage ich dazu bei?
Und warum feiern wir diesen Feiertag nicht? Eine Einheit ist etwas wunderbares. Und ich werde sie heute feiern.

Love,
Anni

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen