Montag, 24. April 2017

Achtung, Falle!

Gerade lese ich in Hiob. In Kapitel 12, 12 steht: Weisheit gehört dem Alter, und Erkenntnis denen, die schon viele Jahre gelebt haben.

Gemein, denke ich. Ich will auch weise sein. Zack, die Falle ist zu. Ich nenne sie: die "Irgendwann-will-ich-auch-mal-so-sein"-Falle. Oder auch: die "Ich-bin-(noch)-nicht-gut-genug"-Falle.

Dass mit dem Alter die Erfahrung wächst ist wohl meistens tatsächlich der Fall. Ich bewundere Frauen, die älter sind als ich, für die Erfahrungen und Erlebnisse, die sie mit Jesus haben und um ihre Weisheit und Tiefe. Wenn ich mich so anschaue, dann bin ich manchmal meilenweit davon entfernt, was oder wie ich gerne wäre. Zu schüchtern. Zu ungesprächig. Zu stumpf. Zu teilnahmslos. Zu vorschnell. Zu ...

Dabei sagt Gottes Wort mir auch etwas ganz anderes:

"Niemand soll dich verachten, weil du noch jung bist. Sei allen Glaubenden ein Beispiel mit deinem Reden und Tun, deiner Liebe, deinem Glauben und deiner Reinheit."
1. Timotheus 4,12

Diesen Vers kenne ich schon lange und konnte ihn mir aus zwei Gründen immer gut merken. Erstens, und das ist etwas banal, ist der 4.12. mein Geburtstag und so konnte ich mir die Stelle gut einprägen.
Und zweitens habe ich schon als Jugendliche das Gefühl gehabt, noch nicht an dem richtigen "Punkt" angekommen zu sein, wo Gott mich wirklich gut gebrauchen kann oder vielleicht eher, wo ich selbst sein will. Das Denken war auf eine falsche Vorstellung von Gott gegründet. Gott liebt mich. Und er will mich. JETZT schon und genau so wie ich bin. Denn in seinen Augen bin ich schon so, wie er mich gemacht hat. In seinen Augen bin ich die, die ich in meinen Augen vielleicht nie sein werde. Aber ich halte mich daran fest: GOTT WILL MICH!

Wie sieht es heute aus? Jetzt bin ich Mitte 20 und fühle mich manchmal steinalt, doch für vieles immer noch zu jung. Für die Weisheit zum Beispiel.
Aber nun sind auch einige Jüngere unter mir. Die soll ich nicht verachten, das ist die Aufforderung von Paulus an die Älteren.
Aber ich verachte doch niemanden! Das ist so ein krasses Wort! Aber belächle ich nicht manchmal die ein oder andere eifrige Idee oder die Naivität, die Weltanschauung, die Unwissenheit, die Ungestümheit?

Was bedeutet denn dieser Vers von Paulus genau? Eigentlich ist der Vers oben nur ein kleiner Satz eines Freundes. Paulus schreibt seinem Freund Timotheus einen Brief, und wir dürfen hineinspickeln. Offensichtlich hat Paulus auch eine Vaterrolle für Timotheus eingenommen. Timotheus leitet eine Gemeinde und wird als "junger Mann" beschrieben. Da er eine Gemeinde leitet schätze ich jetzt aber mal, dass er nicht jugendlich ist, sondern wahrscheinlich sogar schon älter als ich. Und Paulus ermutigt Timotheus.

Ich erinnere mich an eine "Ermutigung", die ich erhalten habe.
"Pfff, also das Abi ist echt total leicht, das schaffst du locker. Ach was, das ist doch nicht viel zu lernen. Fang erstmal mit dem Studium an, dann hast du die Menge an Stoff in einem Semester."
Was denkst du? War das eine Ermutigung für mich? Nicht wirklich. Ich habe mich total herabgesetzt gefühlt und nicht gewürdigt in meiner subjektiven Wahrnehmung, dass ich vor einem großen und schweren Ereignis in meinem Leben stehe. Natürlich war es gut gemeint. Aber eine Ermutigung war es nicht für mich.

Ich will junge (jüngere) Menschen ermutigen und sie nicht verachten! Genau so, wie ich nicht verachtet werden will, weil ich noch nicht den Erfahrungsschatz einer 40- oder 80-Jährigen habe. Und auch nie haben werde. Ich werde den 2. Weltkrieg nicht miterleben, eine 80-Jährige kann dafür vielleicht kein Smartphone bedienen. Akzeptieren wir doch einfach, dass wir einander in unserer Unterschiedlichkeit und mit unseren unterschiedlichen Erfahrungen brauchen. Ich möchte ermutigt werden und ermutigen.
Ich will auch nicht in die "Ach-damals"-Falle rutschen sondern ermutigen, jede Phase des Lebens zu genießen und zu nutzen. Ich will auch nicht mehr in der "Irgendwann-will-ich-auch-mal-so-sein"-Falle landen, sondern jetzt schon leben. Und es gibt unzähliger solcher Fallen.
Ich will deshalb jeden Morgen neu meine Identität in Jesus neu begreifen. Ich bin gut und gewollt. Ich muss mir keine Sorgen machen (Phil. 4,1). Ich kann alles durch den, der mich stark macht (Phil. 4,13). Ich kann jetzt sogar schon ein Beispiel sein (siehe Bibelvers). Unabhängig von meinem Alter, meiner Weisheit, meinen Erfahrungen. Unabhängig von Bad Hair Day, Montagslaune und irgendeiner Falle, in die ich zu stürzen drohe. Denn Gott ist Liebe.

Liebe soll wachsen,
love
Anni

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen