Montag, 20. März 2017

Warum ich Watoto nicht wieder besuchen würde

So, jetzt geht es mal wieder um etwas anderes als meine Ernährung *lach*

Die Überschrift für diesen Artikel ist krass. Aber meine Erfahrung in Uganda war auch krass. Und ich würde tatsächlich nicht mehr zu Watoto oder irgendeinem anderen Kinderheim gehen und viel Geld spenden.

Wir haben ein Wochenprogramm bei Watoto gebucht, als wir letztes Jahr in Uganda waren.
Wir waren beeindruckt, von dem, was wir von Watoto wussten. Auf der ganzen Welt reisen Kinder-Chöre umher um Spenden zu generieren und Watoto, ein Kinderheim das von einem kanadischen Ehepaar gegründet wurde und mittlerweile mehrere Standorte in Uganda hat, bekannter zu machen. Das besondere an Watoto ist, dass die Kinder in kleinen "Familien" wohnen. Eine Mutter wohnt mit bis zu 8 Kindern in einem Haus im Watoto Dorf. Der Aufbau ist ähnlich wie in einem SOS-Kinderdorf, die es auch in Deutschland gibt. Und die Dörfer sind schön! Es ist sauber und gepflegt, die Häuser sind aus Stein gebaut, die Kinder haben saubere Kleidung an.



 Wir starteten unser Programm nach einer Erholungswoche in Jinja und nach dem Muskathlon. Wir hatten also schon ein Stückchen von Uganda kennen gelernt. Und da sieht es definitiv auch ganz ganz anders aus, meistens schon auf der anderen Zaunseite außerhalb eines Watoto Dorfs.
Jeden Tag wurden wir von einem Fahrer abgeholt, um die Arbeit von Watoto kennen zu lernen. An einem Tag halfen wir bei einem Gartenbauprojekt für eine ältere Dame, an einem Tag besuchten wir den Gottesdienst der riesigen Watoto Church in Kampala, an einem anderen Tag halfen wir praktisch: Tobi malte Fensterrahmen an und ich half in der Kleinkindgruppe des Kinderheims.

Die größeren Kinder leben mit einer Mutter in einer Familie. Doch die Kleinkinder nicht. Erst ab 3 Jahren kommen sie in eine "richtige Familie". Und mir hat es fast mein Herz zerrissen. Geplant war, dass ich den ganzen Tag dort bin, mit einer kurzen Mittagspause. Doch ich habe es nicht ausgehalten und bin nach der Mittagspause einfach nicht zurück gekommen. Ich weiß, sehr schwach und feige. Aber so habe ich mich gefühlt: schwach, machtlos, klein. Meine kritischen Nachfragen führten zu nichts. Meine Versuche, die Kinder auf den Arm zu nehmen wurden unterbunden. Ich war zu emotional und konnte nicht mehr klar denken.

Wieder zuhause sah ich, dass es keine Kinderheime geben müsste, wenn 7% von 2 Milliarden Christen ein Kind adoptieren würden, dann gäbe es keine Waisen mehr.
auf Pinterest gefunden
Nunja, ich denke diese Statistik hinkt. Denn nicht alle Kinder, die in einem Waisenhaus sind, sind tatsächlich Waisen. Und nicht alle Waisen sind statistisch erfasst. Die genaue Zahl an Kindern, die ohne ihre Eltern oder nicht in einer Familie leben, ist also eigentlich nicht bekannt.

Das fühlte sich alles nicht richtig an. 

Und dann sah ich dieses Video. (leider auf englisch) Und ich weinte, weil ich so entsetzt war. Entsetzt, dass wir Menschen Dinge einfach glauben, ohne zu hinterfragen. Dass wir durch unser Helfenwollen manches scheinbar noch schlimmer machen. Und überhaupt, dass anscheinend alles so außer Kontrolle geraten ist, auf dieser Welt.
In dem Video spricht die Australierin Tara Winkler darüber, dass Kinderheime abgeschafft werden sollten. Sie selbst voluntierte in einem Waisenheim in Kambodscha und nachdem sie feststellte, dass der Leiter nicht nur korrupt war, sondern die Kinder auch missbrauchte, gründete sie sogar selbst ein Waisenhaus.
Als sie die Sprache besser lernte erkannte sie immer mehr, dass fast kein Kind, das bei ihr lebte, wirklich Waise war oder keinen Verwandten hatte, der sich kümmern würde. Auch in Uganda wurde uns das so im Abide Family Center berichtet.
Sehr viele Kinder, die in Waisenhäusern leben, sind keine Waisen.
Das ist erschreckend.  Und traurig. Denn der Grund, aus dem die Kinder nicht in ihrer Familie aufwachsen können, ist fast immer eine finanzielle Entscheidung. Wenn eine Mutter entscheiden muss, ob ihr Kind verhungert oder nicht bei ihr aufwächst, entscheidet sie sich natürlich (aus Liebe!) für ein Waisenhaus.
Doch das sollte nicht der Ansatz sein.
Heute wissen wir, dass es für ein Kind fast immer am allerbesten ist, in seiner Familie aufzuwachsen.
Das wirkt sich in vielerlei Hinsicht auf die psychische und physische Gesundheit aus. Doch in vielen Ländern Asiens und Afrikas wachsen Generationen auf, die elterliche Liebe und Fürsorge nicht kennen und vermutlich dann auch ihren eigenen Kindern später nicht geben können.
Die Zahl der Kinder, die in Waisenhäusern lebt, ist erschreckend. Tara Winkler erzählt, dass die Zahl der Kinder in Waisenhäusern in Uganda seit 1992 um über 1000% gestiegen ist! Und das, obwohl in Uganda Probleme wie Aids und Krieg, die wirkliche Waisen schaffen, immer mehr zurück gehen.
Ich kann es nicht so leidenschaftlich und wortgewandt ausdrücken wie Tara Winkler, obwohl mein Herz brennt!
Nun, der Grund, warum dieses System funktioniert, sind wir: Menschen, die Gutes tun wollen, die Kinderheime besuchen oder Geld spenden oder sogar gründen. 
Das zu realisieren ist wie ein Schlag ins Gesicht. Bei Watoto zu sein, nachdem ich im Abide Family Center alles darüber gehört habe, dass Familien aus finanzieller Not heraus kaputt gehen, hat mich an eine emotionale und psychische Grenze gebracht. Doch wir konnten unseren Aufenthalt auch nicht mehr stornieren und sagten uns, dass wir uns selbst ein Bild machen sollten.

Jetzt ist es mir umso wichtiger, darauf aufmerksam zu machen. Überlege dir gut, was für eine Organisation du unterstützt. Dass wir unseren Reichtum teilen sollen, das steht für mich außer Frage. Aber ich will mein Geld gut investieren und Menschen und Familien damit dienen. Nicht sie zerstören.

Hilfen, die ich persönlich kenne und euch wirklich ans Herz legen kann, sind Compassion (weltweit) und das Abide Family Center (Uganda). Beide Organisationen setzen sich dafür ein, dass Familien bzw. die Kinder in der Familie unterstützt werden, statt sie herauszulösen. 
wir besuchen die Familie von unserem Patenkind

Es war mir so ein Herzensanliegen, das mit euch zu teilen. Ich weiß, viel zu lesen, aber ich hoffe, du hast bis hier durchgehalten :) Ich freue mich über deine Gedank
en dazu :)

Love,
Anni


Freitag, 17. März 2017

Das Essen ist schön - mein Fasten Resümee

Samstag, 11.3.17, 9:00, Schlageten im Südschwarzwald, Gruppenhaus Hirschen

Vor mir ein gedeckter Frühstückstisch. Alles ist da, was das Herz begehrt: Früchte, Eier, Brötchen, in der Küche werden gerade Pancakes gebacken. Und vor mir auf dem Teller ein kleines Schälchen mit einem kleingeschnittenen Apfel und eins mit eingeweichten getrockneten Feigen. Heute ist der Tag, an dem ich wieder essen werde. Nach 10 Tagen. Ich habe keine Eile, keinen Hunger, aber ich freue mich auf das Essen. Ich nehme wieder an diesem wundersamen gemeinschaftlichen Erlebnis teil.
Auch am Abend zuvor saß ich mit am Tisch. Aber ich habe nicht teilgenommen an der Tischgemeinschaft. Ich konnte nicht sagen: "Wirklich gut gekocht." Ich konnte nicht sagen: "Was schmeckt dir am besten? Ich liebe diese Guacamole. Verrate mir doch dein Rezept."
Weil ich nicht geschmeckt habe. Nur dabei saß.
Aber heute, heute nehme ich wieder teil. Ich esse zwar nicht die gleichen Sachen wie meine Freunde vom Hauskreis, mit denen ich das Wochenende verbringe, aber wir essen gemeinsam. Und ich liebe es. Essen ist schön! Das Leben ist schön!


Freitag, 17.3.17, 9:00, daheim auf meinem Sofa

Vor mir ein leerer Teller mit dem Kerngehäuse eines Apfels darauf (das ich gleich mit meinen Meerschweinchen teilen werde). Seit einer knappen Woche esse ich wieder. Langsam, wenig, roh und hauptsächlich Obst und Gemüse, dass die Verdauung etc. wieder in Schwung kommen kann. Und ich liebe es. Essen ist so wunderbar. Aber es ist auch schwierig. Es ist viel schwieriger, "richtig" und ausgewählt zu essen, als gar nicht zu essen.


Wie hat 10 Tage Fasten meine Beziehung mit Gott verändert?

Ich habe mich durchgetragen gefühlt und habe keineswegs Mangel erlebt. Fasten ist ein Verzicht und ich hätte ab und zu gerne zu Schokolade oder Käsebrot gegriffen. Aber ich hatte nie ein unstillbares Verlangen, wie ich es schon beim Heilfasten hatte. Damals habe ich sogar von Essen geträumt. Jetzt war es eher Nebensache, mein Hunger nach Gott ist gewachsen. Leider habe ich mir viel zu wenig Zeit genommen, während dem Fasten auch zu beten und mehr intensivere Zeiten mit Gott zu verbringen. Und obwohl das so war, habe ich mich geliebt und geführt gefühlt.
Fasten ist Herzenssache. Gott sieht mein Herz. Und mein schlechtes Zeitmanagement. Und er liebt mich so, genau so. Das habe ich erleben dürfen. Ich habe Heilung erleben dürfen. Mein Daumen wurde geheilt, aber auch mein Herz.

Nicht Essen ist mein Tröster, sondern der Heilige Geist.
Nicht Essen macht Gemeinschaft, sondern Gott, unser Vater.
Nicht Essen macht das Leben schön, sondern Jesus, der das Leben ist!


Was habe ich sonst noch daraus gelernt, 10 Tage auf Essen zu verzichten?

Ich möchte meinen Körper als Tempel für Gott sehen und gesund und schön erhalten und pflegen.
Ich möchte verantwortungsbewusst mit den Nahrungsmitteln und dem Geld umgehen, das Gott mir zur Verfügung stellt.
Ich möchte weniger Essen verschwenden und weniger nebenher reinstopfen.
Ich möchte das Essen genießen und als Geschenk aus Gottes Hand nehmen.
Ich möchte Gemeinschaft und das Essen in Gemeinschaft feiern, lieben und häufiger tun.
mein Lieblingsessen im Moment - Avocadobrot mit Zitronensaft und Kresse


Meine Mama hat auch gefastet und zelebriert das Essen gerade, da kann ich viel von ihr lernen. Schaut doch mal bei ihr auf Instagram vorbei :)

LOVE,
anni






Mittwoch, 15. März 2017

Zwei Diamanten - unsere Hochzeit

Wir haben früh geheiratet. Vor genau 4,5 Jahren mit 19 und 20 Jahren.

Meine Mama hat so einen schönen Satz gesagt, um uns damals zu ermutigen.
Sie sagte, so wie Diamanten geschliffen werden, um ihre volle Schönheit zu entfalten, so können wir uns aneinander "schleifen".
Sie meinte damit, dass wir zusammen erwachsen werden dürfen. Denn was wir wohl am häufigsten hörten, wenn Bedenken geäußert wurden:
Aaaaaaber, ihr seid ja noch nicht erwachsen. Was ist, wenn ihr euch in verschiedene Richtungen entwickelt?

Meine Mama nahm diesen Bedenken den Wind aus den Segeln. Und dafür bin ich ihr so dankbar. Und merke: sie hatte so Recht. Jetzt, mit Mitte 20, wo langsam unsere Freunde auch heiraten, merken wir immer mehr, wie sehr wir mittlerweile eine Einheit gebildet haben. Wir haben uns nicht in unterschiedliche Richtungen entwickelt. Im Gegenteil. Wir wachsen Jahr für Jahr aneinander und miteinander. Für dich mag das Glückssache sein, aber für mich ist es Gottes Segen und ein Zeichen seiner Liebe zu uns.

Unsere ersten Jahre waren nicht einfach. Auch ein Diamant entsteht unter höchstem Druck. Doch ist ein Diamant einmal entstanden, so ist es der härteste natürliche Stoff, der kaum zerstört werden kann. Das wünsche ich mir auch für unsere Ehe. Dass wir gefestigt durch alle Stürme gehen, die da vielleicht kommen mögen. Wir beide,  aber vor allem wir mit Gott. IJV ist in unsere Eheringe eingraviert. Es steht für: in Jesus verbunden&vertrauen!


Love,
Anni

Fotos von Hendrik Gassmann

Freitag, 10. März 2017

Schmecket und Sehet...

...wie freundlich der Herr ist!

Ich habe den ganzen März noch nichts gegessen. Seit 10 Tagen faste ich.

Während dem Fasten hat man die besten Rezeptideen, das kann ich euch sagen. Ich faste nun das 4. Mal, sonst habe ich aber mit einer Gruppe ein Heilfasten gemacht, das dem Körper gut tun soll. Diesmal ist es ein geistliches Fasten. Dieses Mal hält es sich in Grenzen, aber vor allem beim letzten Fasten waren meine Gedanken und sogar meine Träume voll mit Essen! Ich mache mir dann eine Liste, was ich auf jeden Fall essen will, wenn ich wieder richtig essen kann. (Achtung!! Aufbautage beachten, nach einer längeren Fastenzeit sollte man ungefähr die Hälfte der Fastentage nur Rohkost/Schonkost zu sich nehmen!)

Und ich mache mir auch Gedanken, warum Gott das überhaupt so geregelt hat, mit der Energieaufnahme. Warum müssen wir überhaupt essen? Warum haben wir eine Verdauung? Warum können manche essen was sie wollen und warum können wir von Essen dick und krank werden? Warum essen wir andere Lebewesen und künstliches Zeug wie Gummibärchen und andere Süßigkeiten, die uns den Darm verkleben?

Essen ist Gemeinschaft. Essen ist Genießen und Teilen. Schmecket und Sehet, wie freundlich der Herr ist! Das ist ein Vers aus Psalm 34. Erstaunlich. Beim Schmecken, beim Essen, erkennen wir Gottes Freundlichkeit.

in Uganda
 Essen ist nicht nur Energieaufnahme. Gott verbindet für uns ein notwendiges Übel mit einem Geschenk: Geschmack!

Fastet man eine längere Zeit, dann wird der Geschmack wieder intensiver. All das Salz, Zucker, Geschmacksverstärker lassen unsere Geschmacksknospen den wahren Geschmack einer Gurke oder einer Tomatensauce gar nicht mehr wahrnehmen.
Schmecket, wie freundlich der Herr ist!

Fastet man eine längere Zeit, dann wird man auch dankbar. Denn ich habe furchtbar gegen mich gekämpft am Anfang. Ich wollte einfach nicht verzichten. Für mich ist Nahrung an jeder Straßenecke verfügbar. Das ist aber
nicht überall auf der Welt so. Ich schwimme im absoluten Nahrungsmittelüberfluss, wir werfen Tonnen von Lebensmitteln weg! Wenn ich wieder essen darf, bin ich dankbar für jeden Bissen, den ich machen darf.
Schmecket, wie freundlich der Herr ist!

Fastet man eine längere Zeit und hat das Pech, dass man auf einen Geburtstag eingeladen wird oder mit anderen essenden Menschen zusammen lebt oder wie ich, den Kindern in der Kita das Essen richten muss, (etc.) dann merkt man, dass Essen verbindet und Gemeinschaft fördert!
Schmecket, wie freundlich der Herr ist!

Jesus hat sich oft mit seinen Jüngern zum Essen getroffen oder andere Menschen zum Essen eingeladen (bzw. sich bei ihnen eingeladen! =D ). Sicher nicht ohne Grund.
Oft sind wir genervt von dem langen Vorbereiten, Kochen und nach dem Essen muss dann noch abgewaschen und geputzt werden. Aber finden nicht in der Küche die besten Gespräche statt?
Essen und alles, was damit zu tun hat, also einkaufen, kochen, spülen, ist ein großes Geschenk, so wie wir es in Deutschland erleben. Und das will ich mit jeder Faser wieder mehr genießen. Und manchmal benötigt es eben erst eine Fastenzeit, um zu verstehen, wie freundlich der Herr ist :)

Love,
Anni

Mittwoch, 8. März 2017

Daumen hoch!

Ich habe euch im letzten Post angekündigt, dass ich an meinem 1. Fastentag etwas besonderes erlebt habe. Das möchte ich gerne mit euch teilen.
Dafür müssen wir aber erst zurück ins Jahr 2012, 1. Oktober. Wir sind gerade in unsere erste gemeinsame Wohnung eingezogen und Tobias hat seinen ersten Arbeitstag. Viele unausgepackte Kisten stapeln sich in allen Räumen, da wir noch keine Möbel haben. Ich will meinem Frischvermählten Ehemann etwas Gutes tun und beschließe, am Abend ein wunderbares 3-Gänge-Menü zu servieren. Als Vorspeise soll es eine Kürbissuppe geben. Ich bereite alles vor, dünste Zwiebelchen an und möchte den Kürbis kleinschneiden. Damals, mit 19 Jährchen, wusste ich noch nicht, dass man Hokkaido Kürbisse nicht schälen muss, aber das werde ich sicher nie wieder vergessen. Denn Kürbisse zu schälen ist wirklich schwierig.
Ich probiere sämtliche Messer aus. Ach ja super, mit diesem roten, langen Keramikmesser geht es .... zack! Einmal abgerutscht und die Spitze des Messers steckt in meiner Hand, genau zwischen Daumen und Zeigefinger. Ich ziehe das Messer reflexartig wieder raus. Die Wunde blutet stark, ich wanke durch die ganze Wohnung, um den Karton mit den Küchenhandtüchern zu finden, Blut tropft auf den Boden. Wie kann so ein kleiner Schnitt so fest bluten? Ich tupfe die Wunde ab und betrachte sie genauer...da ich sicher bin, dass ein Pflaster nicht reichen wird, suche ich im Telefonbuch nach dem Hausarzt in unserem Ort. Der ist allerdings im Urlaub. Da ich mir nicht zu helfen weiß, ohne Auto, ohne jemanden zu kennen, ohne Ortskenntnisse, klingele ich bei meiner neuen Nachbarin, stelle mich kurz vor und bitte sie, mich ins Krankenhaus zu fahren. Das tut sie netterweise und die Wunde wird genäht. Zur Kontrolle muss ich dann allerdings noch in die Handklinik. Als ich ohne Smartphone und GoogleMaps dorthin gefunden habe stellt die junge Handchirurgin fest, dass ich einen Nerv durchtrennt habe. Ich werde operiert, der Nerv soll nachwachsen. Nun heißt es 3 Wochen Gips tragen, damit die Naht nicht reißt. Sehr unpraktisch direkt nach einem Umzug mit Kistenstapeln in jedem Raum.
Nach 3 Wochen werden endlich die Fäden gezogen und ich darf meine Hand wieder benutzen.

Ich gehe zur Ergotherapie um den Nerv zu stimulieren. Doch der wächst nicht.
Seit dem habe ich an der Innenseite vom linken Daumen kein Gefühl. Berührt man die Stelle allerdings, dann kribbelt es unangenehm. Drückt man fest auf die Narbe tut es sogar richtig weh.
Wechselt das Wetter, dann fühlt sich mein Finger manchmal etwas steif und müde an.
Aber ich kann damit leben, es ist ja nur ein Daumen.


Fastforward.
1. März 2017:


Heute ist Aschermittwoch und die Fastenzeit beginnt. Ich habe am Montag beschlossen, dass ich auch fasten werde. 40 Tage? Das weiß ich noch nicht, aber 10 nehme ich mir auf jeden Fall vor!
Am Abend merkt mein Mann, dass er die Situation, dass ich nicht mitesse und er selbst kochen wird, nun voll auskosten muss (das heißt Fleisch, Fleisch, Fleisch) und will sich Burger machen.
Spontan lädt er unseren Freund Ben ein, der 10 Minuten später tatsächlich vor der Tür steht (man glaubt gar nicht, wie viel man in 10 Minuten aufräumen kann^^). Sie essen, ich sitze dabei, wir reden. Alles normal. Und irgendwie auch nicht. Denn wir haben einen lebendigen Gott, der uns liebt, und er ist mit am Tisch.
Ben erzählt von seiner Zeit und den Erlebnissen und Heilungen an der Bibelschule und ohne groß zu überlegen sage ich: "Bete doch mal für meinen Daumen, der ist einseitig taub." Ich bin selbst ein bisschen erstaunt, denn ich habe noch nie intensiv für Heilung für meinen Daumen gebetet. Aus Angst, dass es nichts bringt vielleicht, oder aber auch weil die kleine Beeinträchtigung mich im Alltag ja nicht einschränkt, sondern nur ein bisschen ärgerlich ist. Aber andere Leute haben echte Probleme, für die gebetet werden muss.

Jedenfalls beten wir. Ich lege meine Hand auf den Tisch und mein Mann und sein Freund legen ihre Hände darauf. Dann danken sie Gott für meine Hand und bitten ihn, sie wieder herzustellen, in ihren ursprünglichen Zustand, dass der Nerv wachsen soll. Ich habe das Gefühl, dass ich einen kleinen Schlag gespürt habe, das gleiche Gefühl habe ich allerdings auch, wenn etwas gegen meine Narbe stößt. Da zwei Männerhände auf meiner Narbe liegen, bin ich nicht ganz sicher. Die beiden beten weiter. Als ich über meine taube Seite am Daumen streife fühle ich - nichts. Und das ist genial! Denn vorher hat bei Berührung alles gekribbelt. Nun kribbelt nichts mehr und als ich das Gefühl mit der anderen Hand vergleiche stelle ich fest: So fühlt sich eine normale Berührung an!
Mein Gefühl im Daumen ist wieder da, Gott hat den Nerv nach genau 4 Jahren und 5 Monaten wieder wachsen lassen und meinen Daumen geheilt! Halleluja.
Ich kann es gar nicht glauben. Ständig fahre ich über meinen Daumen und teste alle Bewegungen, die mir davor weh getan haben: Flasche aufdrehen, Flasche zudrehen. Auf die Narbe drücken. Nichts. Es tut nicht weh. Ich freue mich so!

Danke Gott, danke für diese Heilung. Es war nur so ein kleiner Nerv, nichts lebenswichtiges, doch du liebst mich. Dieser kleine Nerv ist nicht zu klein oder zu unwichtig für dich, als dass du ihn nicht heilen würdest. Ich danke dir für deine Liebe. Halleluja, gelobt sei Gott!
Amen.

Hier wächst Liebe. Und Nerven ;) Denn Gott ist größer, als wir ahnen.

Love,
Anni


Freitag, 3. März 2017

Fastenzeit - zieh mich hin zu deinem Herzen, Herr

Ich faste. Seit dem 1. März, Aschermittwoch. Lange habe ich überlegt, ob ich überhaupt auf etwas verzichten soll in dieser traditionellen christlichen Fastenzeit, denn 1. wird der Grund des Fastens von der Mehrheit wohl nicht hinterfragt und 2. halte ich die 7 Wochen sowieso nie durch... =D

Aber vor einigen Tagen habe ich eine Videobotschaft von Johannes Hartl angeschaut, in der er zum 40-tägigen Fasten aufruft. Also nicht Süßigkeiten, Alkohol, Fleisch oder das Smartphone weglassen, sondern komplett auf Essen verzichten.
Wie Jesus in der Wüste, bevor er mit seiner Lehr- und Wunderzeit begann.
Hartl und viele andere Leitungspersonen sehen 2017 als wichtiges Jahr für Europa, mit großer Bedeutung. Und als Zeit der Vorbereitung & Fürbitte soll diese Fastenzeit an den 40 Tagen vor der Passionszeit dienen.

Ich habe zwar noch ein paar Fragezeichen, aber ich wünsche mir Erweckung! Ich wünsche mir brennende, leidenschaftliche Herzen in Europa, Menschen, die Jesus nachfolgen.
Auch für mich wünsche ich mir das. Also faste ich.

Mein Ziel ist erstmal 10 Tage zu schaffen, dann entscheide ich, ob ich weiter mache oder den Rest der 40 Tage mit Gemüsefasten weitermache.
Ich bin so gespannt darauf, was Gott vorbereitet hat. Ich will so nah bei dir sein, mein Jesus!

Das größte Wunder, das ich bis jetzt erlebt habe, passierte tatsächlich direkt an meinem 1. Fastentag. Aber davon erzähle ich euch nächste Woche :)


Fastest du auch? Oder hast du schon mal 40 Tage gefastet? 
Hattest du eine ganz neue Erfahrung mit Jesus, als du gefastet hast?

Love,
Anni