Sonntag, 10. Dezember 2017

Fliegt die Zeit?

Wir sind in Australien! Immer wieder muss ich es mir laut sagen und mich selbst daran erinnern, dass ich den Moment voll leben und genießen kann: wir sind in Australien!


 Seit 8 Jahren warte ich darauf, zurück zu kommen und seit 7 Jahren warte ich darauf, Tobias Australien zu zeigen. Seit ca. einem Jahr wurden diese Träume immer konkret. So oft habe ich eine Weltkarte oder einen Globus gesehen und mich auf die andere Seite der Weltkugel geträumt. Und jetzt sind wir hier, für 8 Tage. Wenn ich nicht aufpasse, dann wache ich am Donnerstag in Neuseeland auf und frage mich, wo die Zeit hin ist.

Das Ding ist: die Zeit war da! Aber wo war ich?!


Die Zeit scheint zu verfliegen, aber objektiv betrachtet besteht eine Stunde immer aus 60 Minuten. Im Urlaub, bei der Hochzeit, mit einem Neugeborenen und auch bei der Arbeit, in Krankheit und Trauer und Krisen. Eine Stunde ist eine Stunde. Hochphilosophisch 😄

Deshalb will ich lernen diese 60 Minuten, die mir jeden Tag sogar 24 Mal geschenkt werden, voll zu leben und zu genießen.
Denn sonst verfliegt ein Tag, den man ein Jahr lang vorbereitet und Tausende Euros ausgegeben hat; zwei Wochen, für die man ein Jahr lang arbeitet; kostbare erste Monate, die nie wieder kommen werden.
Dankbarkeit ist ein Universalschlüssel zu unzähligen Geheimnissen.
Das weiß ich spätestens, seit ich vor 3 Jahren Ann Voskamps Buch gelesen habe. 1000 Geschenke und so viel mehr. Ich will sie wieder bewusst sammeln, wie schon beim Lesen des Buchs.

1. super Flüge
2. Laura Wiedersehen
3. ein super gemütliches Bett in der 1. Nacht
...
16. Eukalyptusduft in der Luft
17. Aussie Barbie
18. unbekanntes Vogelgezwitscher
!19.! Nicht mehr sagen zu müssen: „Die Zeit verfliegt“

⬆️ Die Zeit verfliegt nicht. Ich kann sie totschlagen, rumbringen, verstreichen lassen oder nutzen und genießen. Und ich will mir nicht mehr selbst sagen, wie die Zeit verfliegt, sondern mich und andere daran erinnern, sie zu genießen.


Meine Zeit steht in Gottes Händen. Ich darf in ihm ruhig sein.

Noch bis Mittwoch sind wir in Australien, bevor es weitergeht nach Neuseeland. Ein gutes Übungsfeld für mich.


Genießt den 2. Adventssonntag 🕯🌠
Love, anni



Dienstag, 5. Dezember 2017

Muskathlon: die Bedeutung des Paten

Ihr Lieben, ich bin gerade in der Luft =) Und ihr dürft etwas über den Muskathlon lesen =)

Letztes Jahr habe ich euch von jedem einzelnen Tag berichtet. Dieses Jahr mache ich es ein bisschen anders. Ich erzähle euch von einzelnen Begegnungen. Denn die Begegnungen sind es, die den Muskathlon einzigartig machen, von einem Urlaub abheben und eigentlich der Grund für die Reise sind.

Heute möchte ich euch Erlan vorstellen. So ein besonderer Mann!
Erlan ist ein Mitarbeiter von Compassion und das besondere ist: er war selbst Patenkind bei Compassion.

Er hat eine berührende Geschichte, als er sie mit uns geteilt hat, liefen bei mir die Tränen.

Erlan kam als kleiner Junge aus einer buddhistischen Familie zusammen mit seinen Brüdern zum Compassion Projekt. Seine Eltern waren arm und konnten die Familie nicht ernähren, sie hungerten oft und teilten den letzten Reis unter ihren Kindern auf. In besonders harten Fällen nimmt Compassion bis zu drei Kinder einer Familie ins Programm auf, so wie es auch bei Erlans Familie der Fall war.

Erlans Brüder fanden schnell Paten, doch bei Erlan dauerte es eine Weile. Er hatte kein besonders gutes Selbstwertgefühl, durch das lange Warten auf einen Paten wurde das auch nicht unbedingt besser. Vor allem, als er endlich einen Paten fand, der dann die Patenschaft wieder kündigte, wurde sein kleines Herz gebrochen. Was für mich wirklich unvorstellbar ist: den Verlust eines Paten erlebte Erlan sogar zwei mal. Ein weiteres Mal wurde Erlan als Patenkind ausgewählt und ein weiteres Mal wurde die Patenschaft nach kurzem beendet. Für den armen, traurigen Jungen aus Indonesien ein Schlag ins Gesicht und die Botschaft: Ich bin es einfach nicht wert. Keiner will mich.

Als die dritten Paten gefunden waren, hatte Erlan keine großen Erwartungen mehr. Seine Motivation das Kinderzentrum zu besuchen, war ebenfalls gering. Doch diesmal war etwas anders: Seine Paten schickten ihm viele Briefe und versicherten ihm, dass sie ihn lieb hatten, dass er ein toller Junge war und dass sie ihn hübsch fanden.
Erlans Paten schrieben ihm regelmäßig und in einem ihrer Briefe erzählten sie ihm, dass die kleine Tochter der Familie Erlans Bild am Kühlschrank regelmäßig küsste! Erlan freute sich so sehr das zu hören, er fühlte: Ich bin wichtig für jemanden.
Erlans Paten, eine christliche Familie, erzählte ihn ihren Briefen auch von Jesus. Natürlich kannte er Jesus aus dem Kinderzentrum, doch der Glaube und die Liebe seiner Paten bewegte etwas in Erlan: durch die Briefe seiner dritten Paten fand Erlan zum Glauben an Jesus!

Heute arbeitet er für Compassion in ganz Asien, hauptsächlich in Indonesien, seinem Heimatland. Er ist verheiratet und hat eine kleine Tochter, die er selbst ernähren kann, da er eine gute Festanstellung bei Compassion hat. Mit seiner Liebe und seiner Offenheit hat Erlan mein Herz schnell gewonnen, es ist leicht, ihn als Freund zu gewinnen.

Und Erlan machte mir besonders klar, wie wichtig es ist, meinen Patenkindern zu schreiben. Die Kinder sehnen sich so sehr nach den Briefen ihrer Paten, die ihnen sagen:

Ich hab dich lieb.
Du bist wunderschön.
Du bist eine Prinzessin/ ein Prinz Gottes.
Du hast eine wichtige Aufgabe.
Du bist klug.
Du kannst es schaffen.
Ich glaube an dich.
Du bist wertvoll.
Gott ist in deiner Schwachheit mächtig.

Schreib deinem Patenkind mal wieder. Es macht einen Unterschied!

Love,
anni



Montag, 4. Dezember 2017

Goodbye Deutschland

Nein, wir machen nicht bei der Reality TV Show mit. Aber mit dem Satz "Ah, die Auswanderer" wurden wir in den letzten Wochen am häufigsten begrüßt. Und jetzt wird es ernst. Heute fliegen wir (tatsächlich - endlich!) nach Australien!
Dort besuchen wir für eine Woche lang Freunde von mir, bevor es dann nach Neuseeland, unserem Zielland, weitergeht.

Und wir sind so bereit. Ein bisschen aufgeregt, aber bereit. Fast ein ganzes Jahr lang haben wir den Gedanken vorbereitet und uns auf unsere Reise gefreut. Und jetzt verlassen wir Deutschland - ohne genau zu wissen, wann wir wieder kommen.
Wir verlassen Deutschland und die Kälte - nur wir zwei. Mit Jesus. Ins Abenteuer, am "Ende der Welt".

"Singet dem Herrn ein neues Lied, seinen Ruhm am anderen Ende der Erde." Dieser Vers aus Jesaja 42 war gestern die Tageslosung. Und wir fühlen uns gerufen, empfangen und beauftragt, auch am anderen Ende der Erde unserem Herrn ein neues Lied zu singen. Für mich beginnt heute auch ein neues Lebensjahr, es ist mein 25. Geburtstag. Und ich bin gespannt, auf die neue Melodie, mit ihren Höhen und Tiefen, die wir in diesem Jahr singen werden.

Love,
anni

Montag, 27. November 2017

m.ein Mutterherz

Ein Baby weint und alles zieht sich in mir zusammen. Nicht, weil es mich stört. Sondern weil es mir weh tut, das Baby weinen zu sehen oder zu hören. Es ist eine Veranlagung, eine genetische Sache, die das Überleben eines Säuglings sichert: wenn ein Baby weint kümmert die Mutter sich darum.

Ich bin noch keine Mutter, aber trotzdem habe ich diese starken Gefühle beim Weinen eines Babys. Vielleicht nicht so, wie eine Mama bei ihrem eigenen Kind. Aber doch stark.

Am Wochenende habe ich die Ausbildung zur Trageberaterin bei Didymos in Ludwigsburg gemacht. Dabei haben wir auch viel über die Bedürfnisse eines Kindes gelernt und wie die Gesellschaft Erziehung sieht. Es beherrscht uns eine riesige Angst, dass wir unser Kind verwöhnen. Dass diese Angst aus der nationalsozialistischen Zeit stammt, in der die Kinder möglichst abgehärtet werden sollen, wissen die wenigsten.
Wir sprachen darüber, wie elementar und gleichzeitig schön Nähe für Babys ist, und dass wir als Erwachsene ja auch ein Nähebedürfnis haben. Im Kurs scherzten wir: "Und bei wem darf ich ins Tragetuch zum Kuscheln?"

Am Tag nachdem ich mein Trageberaterinnenzertifikat in Händen hielt, war ich mit einem Teil meiner Familie im Gottesdienst in Tübingen. Mit dem Kopf war ich noch beim Kurs und bei den vergangenen drei Tagen, die ich mit einer Puppe vor dem Bauch oder auf dem Rücken verbrachte.

Und während dem Gottesdienst machte ich mir so meine Gedanken darüber, wie Gott das alles geschaffen hatte: Familien, Kinder und Mütter und die engen Beziehungen und Bindungen. Und plötzlich fühlte ich mich so zu Gott hingezogen. Es fühlte sich an, als ob ich jetzt zu ihm ins Tragetuch darf und mich an ihn schmiegen darf. Eine ganz intime Zeit. Nicht nur auf den Schoß, sondern ins Tragetuch. Enge, exklusive, liebevolle Nähe. Es war wunderschön.

Und während ich Gott dafür lobte und mich an ihn kuschelte, machte ich mir Gedanken über das Mamasein.
Ich freue mich nämlich schon darauf, Mutter zu werden. Und denke oft in "jetzt" und "dann", also "Wenn ich erstmal Mama bin, dann..." Aber ich glaube, das ist ein Trugschluss. Denn ich habe schon jetzt ein Mutterherz. Ein weiches, weibliches, schönes, sanftes Herz, das sich beim Weinen eines Babys zusammen zieht, um den Anfang mal wieder aufzugreifen. Denn auch Gott hat ein Mutterherz, und er hat mich als Frau in seinem Bild geschaffen.

"Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet." - Jesaja 66, 13

Gleichzeitig ist Gott der Vater und hat dadurch natürlich auch ein Vaterherz. Und so ist es doch nur logisch, dass er uns, wenn er uns sich selbst ähnlich gemacht hat, ein kleines Stück von beiden Herzen in die Brust geben kann. Väter trösten, umsorgen, streicheln, tragen. Mütter raufen, machen Spaß, ermutigen. Und umgekehrt. Jeder hat auch seine Rolle und ich liebe es, eine Frau zu sein und mein (Mutter)herz immer besser kennenzulernen. 

Muttersein, ein kleines Mosaikteilchen vom herrlichen Wesen Gottes, das er in uns Menschen, in mich, auch ohne ein eigenes Kind, gelegt hat. Eine Möglichkeit, sein Wesen zu spiegeln und auf dieser Welt vorzuleben. 

Danke, Gott, mein Vater, du bist einfach wunderbar.


Love, anni

Samstag, 25. November 2017

Heimatlos?

Vor einer Woche sind wir aus unserer Wohnung ausgezogen. Wir haben alle unsere Sachen in Kisten verpackt, bis spät in die Nacht, und gestapelt. Wir haben unsere Erinnerungen eingepackt, die wichtigen Ordner, die Bücher, die Winterkleidung, die Töpfe. Wir haben unseren Tisch und die Stühle verkauft, das Bett eingelagert, die Schränke für unsere Nachmieter leer geräumt. Und dann kamen viele liebe Menschen, die uns geholfen haben, alles fünf Stockwerke nach unten zu tragen und in einen Transporter zu packen, dass wir es zu unseren Eltern bringen können. Alles, was wir noch besitzen.


Letzten Montag haben wir die Schlüssel unserer Wohnung abgegeben. Und seitdem sind wir wohnungslos. Bis jetzt fühlt es sich noch wie Urlaub an, aber erste Leute fragen, ob wir uns nicht heimatlos fühlen. Und ich kann von ganzem Herzen verneinen.

Denn meine Heimat ist nicht an eine Wohnung gebunden. Auch wenn unser neues Zuhause im Markgräflerland in den letzten Jahren zu einer neuen Heimat geworden ist und wir uns wohl gefühlt haben und schweren Herzens gehen, ist mein Herz nicht daran gebunden. Auch nicht an die Heimat, in der wir aufgewachsen sind und die uns von Klein auf geprägt hat.
Wir haben ineinander und in Jesus Heimat. Dazu bin ich über diesen Vers gestolpert:

"Wo du wohnst, möchte auch ich für immer bleiben - dort, in deinem Heiligtum. Bei dir suche ich Zuflucht wie ein Küken unter den Flügeln seiner Mutter." (Psalm 61,5)

Meine Heimat ist in Jesus. In seinem Heiligtum. Das ist überall auf der Welt. Meine Heimat ist also in Neuseeland, im Markgräflerland, im Hegau. Überall.


Und bei Tobias. Wir zu zweit mit Jesus unterwegs. In Jesus verbunden. "ijv" ist auch in unserem Ehering eingraviert.

Also nein, ich fühle mich ganz und gar nicht heimatlos. Und wenn einmal Phasen kommen, wo ich mich so fühle oder traurig bin oder Heimweh habe, dann möchte ich mich daran erinnern.

Love,
Anni

Freitag, 10. November 2017

Everything falls into place


Wie die Blätter fallen, fallen gerade auch die Dinge aus unserer Wohnung weg (zum Glück nicht vom Balkon). Nach und nach füllen sich Kisten mit den Aufschriften „EBay“, „verschenken“, „behalten“ und „mitnehmen“. Es ist das totale Chaos, wie bei einem Herbststurm. Um an den Kistenstapel in der Ecke zu kommen muss ich über die Gästebettwäsche, den Staubsauger und einen Haufen mit aussortiertem Kram steigen. Ich will gerade erzählen, wie anstrengend das alles ist, als ich merke, dass es mir Spaß macht! Chaos macht mir nicht viel aus, ich weiß, dass es ein Übergangszustand ist und ich mag die Veränderung.
Mir gefällt unser sich leerendes Wohnzimmer, aus dem der Raclettegeruch gar nicht mehr rausgeht, da wir so viele Abschiedsbesuche haben, mit denen wir Raclette essen. 
Mir gefällt der leere Platz, wo die Mikrowelle stand, die nun nicht mehr mich, sondern meine Schwester mit wärmenden Rapskissen versorgt. 
Ich freue mich über den Abschied, auch wenn er schmerzt. Bittersweet ist so ein gutes, treffendes Wort. Wir lassen unser 1. gemeinsames Zuhause zurück. Unser durchgesessenes Sofa, auf dem ich fast alle Hausarbeiten geschrieben habe. Den Tisch, an dem gelacht, philosophiert und mein Daumen geheilt wurde. Die Küche, in der ich lernen durfte, eine Hausfrau zu sein, für meinen Mann zu kochen und Ratschläge von ihm anzunehmen (!). Unser grünes Chaoszimmer, das so viele liebe Freunde beherbergt hat. Das Bad ohne Fenster, das kleiner ist als unser kleiner Balkon, dem ich absolut nicht nachtrauern werde. (Dem Bad, nicht dem Balkon) 


Wir lassen Freunde zurück, die zur Familie geworden sind. Kinder, die wir ihr ganzes Leben lang kennen und lieben. Freunde, mit denen man 6 Stunden am Frühstückstisch sitzen kann. Freunde, mit denen wir auf Berge geklettert und im November in Seen gesprungen sind. Freunde, die wir schmerzlich vermissen werden. 

Aber sind es nicht diese schönen Erinnerungen und diese geliebten Menschen, die einen Abschied auch schön machen? Weil man weiß, man hatte eine gute Zeit an einem guten Ort mit guten Menschen. 


Ich wollte vor 2 Jahren schon gehen. Tobias hatte kein „Ja“ dazu, was mich damals fast verrückt gemacht hat. Jetzt bin ich dankbar! Die schönen Erinnerungen wären weniger gewesen und unser Wegzug wäre eine Flucht gewesen. Jetzt ist es keine Flucht, jetzt folgen wir einem Ruf, den wir beide in unsern Herzen gehört haben. 

Für eine Weile wird Neuseeland unser Zuhause sein. Bei YWAM werden wir eine Jüngerschaftsschule (DTS) mitmachen und Gott besser kennen lernen, seine Gegenwart genießen, uns selbst und uns gegenseitig in Ihm neu kennenlernen und neu definieren. 
Vieles spannendes und herausforderndes wartet auf uns am anderen Ende der Welt. 

Es fällt mir nicht leicht, hier alles loszulassen, aber die Freude auf das Abenteuer lockt und überwiegt. 
Wir hatten einen wunderbaren Start in unser gemeinsames Leben. Danke für jedes Wort, jede Ermutigung, jede Einladung, jede Umarmung, die dazu beigetragen hat, dass das Markgräflerland zu einem Stück Heimat für uns geworden ist, das wir vermissen und an das wir gerne zurückdenken werden. 

And everything falls into place. Thank you Jesus. 

Love, anni 

Mittwoch, 1. November 2017

Muskathlon: Break my heart

Spoiler: Nie habe ich so viele Männer weinen gesehen, wie beim Muskathlon [Fußballstadien betrete ich aus Prinzip nicht ;) ]

Weinen finde ich ganz wunderbar. Klar, manchmal ist es ganz schön unpassend, wenn die Tränen kommen. Ich kenne viele Frauen, die sich dafür schämen und entschuldigen, dass sie "Nah am Wasser gebaut sind".
Warum verstecken wir unsere Tränen so oft? Gott hat sie uns gegeben und er wird sich wohl etwas dabei gedacht haben :)
Auch Jesus weint... aus Mitgefühl ( = Compassion). Jesus ist überhaupt ein emotionaler Mensch gewesen, denke ich. Er liebt, weint, ist wütend, hungrig, ...
Ich glaube, wie Jesus, dürfen wir unsere Emotionen spüren, ohne uns davon kontrollieren zu lassen. Für dich scheint es vielleicht, als würde man die Kontrolle verlieren, wenn man Tränen zulässt. Ich denke, Tränen sind ein Ventil, das uns hilft, die Kontrolle nicht zu verlieren.

Während unserer Reise gab es immer wieder Momente, in denen mir die Tränen in die Augen stiegen. Wir haben ein traditionelles Dorf auf Sumba besucht, auf dem Foto oben seht ihr es. Die Situation war erst angespannt und komisch, als wir ankamen. Die Bewohner des Dorfes saßen in ihren Hütten, quasi auf der "Terrasse" und beobachteten, wie wir ankamen. Und wir beobachteten zurück und wussten nicht so richtig, was wir machen sollen. Ein Glück hatten wir Übersetzer dabei. Und Seifenblasen. Seifenblasen und Luftballons bringen Kindern hier so viel Freude. Und ein paar Tränchen helfen mir, den Kloß im Hals zu lösen und mich dann mit den Kindern zu freuen.

Die Menschen leben hier bewusst so, wie schon vor Hunderten von Jahren, es ist ein bisschen wie ein Freilichtmuseum und es ist auch gewollt, dass Besucher und Touristen kommen. Es gab gute Gespräche mit den Erwachsenen und viel Freude bei den Kindern, als wir alle ein bisschen aufgetaut sind. 

Die Hütten sind typisch für Sumba. In dem spitzen, hohen Dach ist ein Getreidespeicher. Das Grasdach muss einmal pro Jahr erneuert werden, was einen ganzen Tag dauert. Die Häuser sind aus Bambus gebaut und stehen auf Stelzen. Unter dem Haus wohnen häufig Tiere, z.B. Schweine. Das ist ziemlich praktisch, beim Kochen kann man die Abfälle einfach durch den Boden werfen und so die Schweine oder Hunde füttern :D Seht ihr auch die großen Steine, die aussehen wie riesige Steintische? Das sind Gräber. Häufig haben auch sie so ein spitzes Dach, extra nur für das Grab. Die Menschen glauben, das in dem spitzen Dach die Geister wohnen. Auf der Steinplatte werden Opfer dargebracht. 


Ich bin froh, als wir wieder gehen. Hier ist eine ganz andere Stimmung als im Compassion Projekt, das wir danach besuchen. Obwohl es Spaß gemacht hat, mit den Kindern zu spielen, ist eine gewisse Hoffnungslosigkeit nicht zu leugnen. Sie liegt in der Luft. Stille Schreie nach Hilfe, die mich verfolgen. "Jetzt bist du hier. Aber wenn du wieder gehst ist alles so wie vorher."
Die Kinder sind so leicht zum Lachen zu bringen hier, wie der Junge oben mit dem blauen länglichen Luftballon. Die Kinder laufen hier mehr mit, es kommt selten vor, dass Erwachsene mit ihnen spielen oder Späße machen. 

Abends ist mein Herz schwer. Die Tage sind voll und anstrengend, da wir viel Programm und wenig Schlaf haben. Gut, dass im Muskathlonprogramm immer wieder eine Zeit eingeplant ist, in der wir Gott loben und ihm danken, für all das Gute, was er tut. Denn das tut er!
Dabei singen wir gleich am ersten Tag das Lied "Hosanna" von Hillsong.


Show me how to love like you have loved me
Break my heart for what breaks yours
Everything I am for your kingdom's cause

(Zeig mir so zu lieben, wie du mich liebst
Lass mein Herz brechen an den Dingen, die dein Herz zerbrechen
Mein Alles für dein Königreich)

Mein Herz scheint wirklich zu brechen. Und ich bin nicht mal ansatzweise so weit, dass ich verstehe, was Gottes Herz alles zerbrechen lässt. Alles was ich heute gesehen habe, Ungerechtigkeit, falsche Verteilung von Gütern, Gewalt, Hoffnungslosigkeit, Gleichgültigkeit, Unterernährung,... das liegt mir auf der Brust und scheint mein Herz zerspringen zu lassen.

Doch ich weiß: Gott macht aus Kaputtem etwas Wunderschönes. Aus meinem zerbrochenen Herzen hat er ein wunderschönes Mosaik gelegt. Und noch besser: David schreibt in Psalm 51: "Schaffe in mir ein reines Herz!" Das Wort das für "schaffen" genutzt wird heißt "bara" und das beschreibt eine Tätigkeit, die nur Gott ausführen kann: aus dem Nichts etwas zu Schaffen, so wie in der Schöpfungsgeschichte. 

 Lieber Herr, ich gebe dir alles hin was ich habe, mein Herz. Auch wenn es nicht viel ist. Du kannst aus Nichts Alles machen. Lass mein Herz brechen an den Dingen, die dein Herz zerbrechen. Break my heart for what breaks yours. Das ist wichtig. Das ist unser Auftrag. Du darfst mein Herz gestalten und neu machen. Danke, dass du es besser weißt als ich, was ich brauche. Und danke, dass du es mir zur richtigen Zeit gibst.


Love,
anni


Samstag, 28. Oktober 2017

Wie war es???

"Wie war es denn??"
Diese Frage hört wohl jeder, wenn er aus dem Urlaub kommt.
Und antwortet ungefähr so: "Wunderschön, tolles Wetter, lecker Essen, schöne Zeit mit der Familie."
Zumindest im Idealfall fällt die Antwort so aus.

Aber wir waren nicht im Urlaub.
Wir waren beim Muskathlon. Meine kurze Antwort auf "Wie war es??" sieht ungefähr so aus:
"Extrem! Anstrengend! Wunderbar und total gesegnet! Wenig Schlaf, viele Kinder, viele Begegnungen und viel schöner als erwartet!"

Diese Antwort wird dem Muskathlon aber in keinster Weise gerecht. Muskathlon ist so viel mehr als "anstrengend, aber gute Begegnungen".

Vielleicht reicht dir trotzdem die Kurzversion der Antwort. Vielleicht würdest du aber auch gerne mehr wissen?
Ich erzähle euch gern vom Muskathlon, aber dafür brauche ich ein bisschen Zeit. Und am besten kann ich euch erzählen, wenn ich weiß, welche Fragen ihr habt :) Also, schreibt mir doch einfach:
Was interessiert euch? Was versteht ihr noch nicht?

Love,
anni

Freitag, 27. Oktober 2017

Vom Anfang bis zum Ende

Es ist ein Ende in Sicht. Das Ende unserer Zeit hier im Markgräflerland. 5 Jahre haben wir hier gewohnt. Jetzt ist Ende.
Und wir sind uns ganz sicher: vom Anfang bis zum Ende war Gott dabei!

Vom Anfang bis zum Ende
hält Gott seine Hände
über mir
und über dir

Ja, er hat es versprochen,
hat nie sein Wort gebrochen.
Glaube mir,
ich bin bei dir!

Immer und überall
Immer und überall
Immer bin ich da!

Dieses Lied haben wir auch bei den Springmäusen gesungen, in der Krabbelgruppe, die ich 2 von den 5 Jahren hier geleitet habe. 
Auch hier ist ein Ende für mich gekommen und wir haben meinen Abschied gefeiert. 
Gott hat alles gut geregelt und es gibt eine Nachfolgerin, die viel Liebe und gute Ideen hat, wie es weitergehen wird. 
Also haben wir gefeiert. Mit Kuchen und allem was dazu gehört. Auch Geschenke gab es. 
Ich wurde sehr reich beschenkt! Ein Mädchen fragte, ob ich Geburtstag habe. Aber nein, auch zum Abschied bekommt man manchmal Geschenke :) Und ich hatte auch ein Geschenk für die Kinder.


Jedes Kind bekam in einem Rahmen ein Lettering mit dem Anfang des Liedes. Ich habe es für euch ein bisschen verändert, dass ihr es auch nutzen könnt. Für die Springmaus-Kinder hatte ich noch ein Bild von einer Maus drauf und einen kleinen Text,  außerdem den Namen des Kindes und unterschrieben mit meinem Namen. 

Es ist eine kleine Erinnerung an eine Zeit, an die die meisten sich nicht aktiv erinnern werden. Viele von meinen Springmauskindern sind erst zwei geworden oder sogar noch unter zwei Jahren. Und ich begleite sie seit sie 4 Monate alt sind. Also quasi ihr ganzes Leben. Ein unglaubliches Geschenk für mich und ich bin wirklich traurig, dass hier ein Ende für mich ist.

Love,
anni

Dienstag, 3. Oktober 2017

Vereint.

Heute ist ein besonderer Tag für uns. Tobias letzter Arbeitstag, bevor wir die Reise nach Indonesien zum Muskathlon antreten.
Ich habe heute ein bisschen länger geschlafen, als sonst. Tobias ist schon lange bei der Arbeit, als ich aufstehe. Ein kurzer Blick in mein Handy und mir wird klar, dass heute nicht nur für uns ein besonderer Tag ist. Sondern für ganz Deutschland. Heute ist Tag der deutschen Einheit.
Ein Feiertag in Deutschland. Aber niemand, den ich kenne, feiert diesen Tag. Außer meine Schulfreundin Anna, die heute Geburtstag hat. Happy Birthday, Anna. Und Happy Birthday, Deutschland! Ihr seid ja fast gleich alt. Deutschland ist zwei Jahre älter als Anna und ich. Wir kennen nur ein vereintes Deutschland.
Und obwohl jeder Schüler über die Einheit (aber eigentlich viel mehr über die Trennung) Deutschlands lernt, sollten wir eigentlich Bescheid wissen. Aber tun wir das?
Zumindest nicht emotional. Als ich heute morgen das Video der Bundesregierung auf Facebook sah, kamen mir die Tränen. Ich weiß nur aus Erzählungen, wie es ist, in diesem getrennten Deutschland zu leben. Ich weiß nur so ungefähr, was meine Eltern fühlten und dachten, als die Mauer fiel. Ich weiß nur so ungefähr, was es für meine Großeltern bedeutete. Ich kann nur erahnen, welche Freude und welche Liebe in der Luft gelegen haben mussten!
Und doch ist es so natürlich. Vereint zu sein ist doch viel schöner, als getrennt. Zu zweit ist es besser, als allein. Gott hat uns für Gemeinschaft und für Vereinigung gemacht. Für Zusammenhalt und für gemeinsame Projekte und Leidenschaften.
Gott hat uns dafür gemacht, Gemeinschaft zu haben. Trennungen widersprechen doch zutiefst dem, was wir eigentlich tief in uns wollen. Ist eine Trennung nicht belegt mit Urängsten? Die Trennung von der Mutter, von den Eltern, die Trennung der Eltern, später die Trennung vom Partner oder den eigenen Kindern? Selbst als Erwachsene haben wir Angst, unsere Eltern zu verlieren. Wir leben mit dieser Urangst, weil Gott uns für Gemeinschaft gemacht hat! Wir sind nicht dazu gemacht, allein zu sein. Gott sagt: "Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist."
Gleichzeitig tragen wir ein Bedürfnis nach Freiheit in uns. Auch diese Freiheit will Gott uns schenken. Und wir dürfen in Freiheit leben, in unserem Land.

"Wir wollen in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt dienen", wurde vor 27 Jahren über Deutschland gesagt. Tun wir das auch heute! Lassen wir Deutschland "im Glanze seines Glückes blühen", in ALL SEINER VIELFALT. Lassen wir uns bereichern, von wunderbaren Menschen, die auch in Deutschland wohnen möchten. Die Freiheit erleben möchten und Gemeinschaft. Ist ein Garten nicht viel schöner, wenn viele verschiedene bunte Blumen blühen?

Ich weiß es nicht, aber vielleicht weißt du noch, wie es ist, in einem Land zu leben, das dich durch eine Grenze von deinen Lieben trennt.
Vielleicht weißt du noch, wie es ist, in einem Land zu leben, das kontrolliert wird und in dem du Mangel leidest.
Vielleicht weißt du noch, wie es ist, in einem Land zu leben, in dem du Angst hast und deine Meinung nicht äußern darfst.

Ich sehe keine Grenzen. Nur Schönheit. 
Ich weiß es nicht. Und ich will es mir auch nicht vorstellen. Und ich wünsche es niemandem, in solch einem Land zu leben.
Aber wie kann man in 27 Jahren vergessen, wie schön es ist, vereint zu sein und plötzlich anderen verwehren zu wollen, dazuzugehören? Spüren wir noch etwas davon, dass Deutschland dem Frieden der Welt dienen möchte? Welchen Beitrag trage ich dazu bei?
Und warum feiern wir diesen Feiertag nicht? Eine Einheit ist etwas wunderbares. Und ich werde sie heute feiern.

Love,
Anni

Dienstag, 5. September 2017

Ein Brief an Mich mit Kinderwunsch

Ein kurzes Wort vorweg. Dieser Brief ist an mich gerichtet. Vielleicht kann er dir in einer schwierigen Zeit auch helfen, das würde mich freuen :)
Der Anlass ist unser heutiger 5. Hochzeitstag (standesamtlich). Wir werden am Samstag unsere 5-Jährige Ehe feiern, unsere Holzhochzeit. Ich habe aber auch gelesen, dass der 5. Hochzeitstag unterschiedliche Namen hat. Wenn ein Paar schon Kinder hat, dann ist es die Holzhochzeit, hat das Paar noch keine Kinder, so wird der 5. Hochzeitstag auch Ochsen- oder Gummihochzeit genannt... Finde ich persönlich lustig, aber auch idiotisch. Nicht jedes Paar ist nach 5 Jahren gewollt noch kinderlos. Wir haben uns bewusst dafür entschieden, mit der Familienplanung noch zu warten und sind beide glücklich so. Aber nach 5 Jahren regen sich dann doch auch neue Gefühle. Und bevor ich einen unstillbaren Kinderwunsch habe, von dem ich schon oft gelesen habe und der für eine Ehe sogar zu einer Belastung werden kann, habe ich mich entschieden, diesen Brief zu schreiben, aus Gottes Perspektive an mich. Ich weiß nicht, ob er mir helfen wird, ob ich wirklich so fühlen würde. Aber es schien mir richtig, ihn so zu schreiben. Ich freue mich auch über Feedback von Frauen mit Kinderwunsch :) 

Love,
Anni


Liebe Annika,

Nie hättest du gedacht, dass du jemanden so vermissen kannst, den du noch gar nicht kennst, den es noch nicht einmal gibt auf unserer Welt. Aber in deinem Herzen, in deinen Gedanken, da gibt es ihn schon: ein kleines Menschlein, nach dem du dich sehnst. Nicht nur ein Kind, sondern dein Kind. Dein und Tobias Kind. Die perfekte Mischung aus deinem Liebsten und dir. Ein Wunder, ein Geschenk von mir, das eine neue, ungekannte Freude in eure Leben bringen wird. Voller Sehnsucht wartest du darauf, dass ich euer Kind zu euch schicke.
Das ist okay. Deine Gefühle sind okay. Du bist okay! Dieser Wunsch wurde von mir tief in dir verankert. Eine Mama zu sein wird dich an deine Grenzen bringen, dorthin, wo du auf meine Liebe, Gnade und Stärke angewiesen bist. Es wird dir gefallen. Du wirst mich noch besser kennenlernen. Du wirst mein Vaterherz besser verstehen können. Ich wünsche mir, dass du dieses Glück erleben darfst, dass du eine Mama sein kannst. Jedes Kind ist ein Geschenk von mir. Ich schaffe und liebe jedes Kind. Auch dein Kind.

Du bist auch mein Kind, meine Prinzessin, Annika! Und ich weiß, wann ich dich beschenken will. Ich kenne deine Sehnsucht - nach Tritten in deinem Bauch, nach einem Babylächeln, nach dem ersten "Mama". Du sehnst dich nach Familienglück, nach einer Bestimmung.
Aber mein geliebtes Kind, ich sage dir: ein Kind füllt deine Arme und dein Herz, aber nur ich erfülle dich ganz und dauerhaft. Kein Mensch ist dafür verantwortlich, dass es dir gut geht. Hol dir was du brauchst und wünschst bei mir. Tanke auf in meiner Liebe und Geborgenheit.
Liebe mich und liebe deinen Mann. Vernachlässige ihn nicht, beschuldige ihn nicht, dränge ihn nicht. Ihr seid im selben Boot, auf einer Seite. Ihr kämpft im gleichen Team. Er ist da! Vergiss ihn und seine Liebe für dich nicht über den Wunsch nach einem Menschen, auf den du noch wartest.

Ruhe in mir. Ich schenke dir Frieden und Hoffnung. Ich habe gute Pläne für dich und deine Familie. Ich kenne und sehe alle Dinge, die um dich herum passieren.
Ich sehe deine wehmütigen Blicke, die jede Schwangere verfolgen; deine Tagträume, während du durch die Babyabteilung schlenderst; deine Gedanken, wenn du ein Baby weinen hörst und es niemand tröstet.
Und ich fühle mit dir.
Keiner versteht dich besser als ich, denn auch ich sehne mich nach meinen Kindern.

Die Liebe ist geduldig. Die Liebe ist nicht eifersüchtig, sondern freut sich für andere. Die Liebe hört niemals auf.

Ich sehe die Liebe, die du in dir trägst und verschenken möchtest. Es ist gut so. Ich habe dich so gemacht. Mit einem liebevollen Mutterherz. Und du wirst eine Mutter sein. Hab Geduld und lebe, mein Kind. Im Jetzt. Alles hat seine Zeit. Gib mir deinen Schmerz.

Ich liebe dich.
Dein Vater, der allmächtige Gott

Freitag, 1. September 2017

CousinCousinenTage

Es sind Sommerferien in Baden-Württemberg.
Meine Schwester und ich haben einen Cousin und eine Cousine, die wir nur selten sehen und die erst 11 und 13 Jahre alt sind. Als wir noch jünger waren und sie Kleinkinder haben wir uns öfter gesehen, ich habe beide bereits als Säuglinge auf dem Arm gehabt und lieben gelernt :) Aber mittlerweile haben wir wenig Kontakt und wenig Bezug zueinander.

Darum haben wir beschlossen, die beiden ein paar Tage einzuladen um sie besser kennen zu lernen und eine gute Zeit mit ihnen zu verbringen!

Und was für eine gute Zeit wir hatten!
Am Nachmittag, als sie ankamen, gab es Eis und Pizza und abends eine Filmnacht. Davor haben wir gemeinsam T-Shirts bemalt. Ich war mir so unsicher, ob sie das gut finden würden, aber vor allem meine Cousine ist richtig darin aufgegangen, hat betont, wie gut es ihr gefällt und wollte es gar nicht mehr ausziehen. Sie war so stolz auf ihr selbst designtes Regenbogen-Forellen-T-Shirt. Damit haben die beiden sich über 1.5h beschäftigt!

Am nächsten Tag sind wir nach Gutach zur Sommerrodelbahn gefahren. Die kann ich nur empfehlen! Eine tolle Abfahrt und viel Spaß! Mit einer vierköpfigen Familie (2 Erwachsene, 2 Kinder waren wir ja auch) kommt man mit 25€ gut hin, dann kann jeder 3 Mal fahren. Wir haben unterschiedliche Konstellationen ausprobiert, auch die Kinder durften schon zusammen fahren (ab 8). In der Nähe ist auch das Vogtsbauernhof Freilichtmuseum, das hat die großen Kinder allerdings mehr interessiert als die kleinen ;) Deshalb sind wir nach einem Picknick mit der übrigen Pizza wieder heimgefahren.
Nachmittags sind wir dann zusammen mit Marinas Freund los zum Abenteuergolf. Was für ein Spaß. Ich bin wirklich grottenschlecht im Minigolf und zu 5. wird es auch schnell mal langweilig, wenn man lange warten muss, bis man wieder dran kommt. Aber das war wirklich kurzweilig und die Kinder konnten zwischendurch auf dem Spielplatz toben, der mitten im Golfplatz liegt. Außerdem gibt es an den verschiedenen Bahnen auch Aufgaben zum Werfen von Golfbällen und Frisbeescheiben oder Fußballschießen mit Geschwindigkeitsmessung, ohne Golfschläger. Die letzte Bahn besteht darin, dass man eine Plastikkuh melken muss. Auch mal eine lustige Sache. Insgesamt waren die 18 Bahnen kurzweilig zu spielen und wirklich eine gute Zeit.
Der Park in Gengenbach ist wunderbar, die Emus und Ziegen waren schon ein gutes Programm, wir hätten uns eigentlich den ganzen Tag hier aufhalten können :) Und ein super Spielplatz mit Bach, der auch älteren Kindern Spaß macht, ist auch da.
Abends schauten wir den Film aus unserer Kindheit "Schweinchen Babe" :)
Den nächsten (heißen!) Tag verbrachten wir im Schwimmbad, bis die Kinder nachmittags wieder abgeholt wurden.
Es war eine kurze aber intensive Zeit, die wir alle sehr genossen haben.
Wenn du jüngere Cousins hast oder Nachbarskinder oder entferntere Verwandte. Oder Nichten und Neffen. Oder Freunde von deinen eigenen Kindern. Oder eigene Kinder ;) Investiere in sie! Hab eine gute Zeit mit ihnen! Zeig ihnen, was Liebe ist und was Spaß ist. Wie man sich draußen beschäftigen kann ohne Smartphone in der Hand. Oder spiel mit ihnen ihr Lieblingsspiel auf dem Smartphone. Ist auch mal erlaubt. Jetzt ist die Zeit, wo die Teens und Kinder uns "cool" finden. Ich weiß nicht genau, ob man cool noch sagt :D Aber jetzt ist die Zeit, wo wir investieren können. Lasst es uns nutzen und Reich Gottes auf die Erde bringen. Das kann eine Ermutigung sein, ein "Das hast du wirklich toll gemacht", ein "Ich bin stolz auf dich", eine Umarmung oder einfach die Tatsache Zeit zu verschenken. Das kann ein Psalm am Morgen und ein Gebet vor dem Einschlafen oder vor dem Essen sein. Probiere es einfach mal, verschenke dich, sei präsent, investiere, schenke Zeit. Es ist so gut und macht so Spaß! Ich hatte wirklich gute und tolle Tage!
Wie investierst du dich in die nächste Generation?
Love, Anni

Mittwoch, 30. August 2017

Noch 1 Monat bis zum Muskathlon

Okay, ein bisschen mehr als ein Monat ist es noch. Aber da ich gerade das unveröffentlichte und halbfertige Posting "Noch 2 Monate bis zum Muskathlon" entdeckt habe dachte ich, 1 Monat ist es in wenigen Tagen sowieso schon bald ;)

Ja. Ein kurzes Update.
Wir haben ein Benefizkonzert organisiert, das nicht so gut besucht war wie erhofft, aber zumindest mich viel weiter auf dem Spendenbarometer gebracht hat :) Ich habe Tobias jetzt ziemlich abgehängt, darum wenn ihr gerne spenden wollt, dann unterstützt doch Tobi ;)


Ich bin gespannt, auf die anderen deutschen Teilnehmer, mit denen wir reisen werden und die wir schon seit ihrer Anmeldung vor Monaten betreuen.
Ich bin so gespannt auf die Begegnungen mit den Kindern. Ob es anders sein wird als in Uganda, ob ich schneller aus mir rauskommen und mein Herz und meine Arme öffnen kann, ob ich sicherer sein kann in Jesus und dadurch in mir. Unabhängig von Kultur- und Sprachbarrieren.
Ich bin gespannt, welche Missverständnisse es geben wird und wie wir sie klären können und ich bin auch gespannt, ob ich den Halbmarathon joggend schaffe :D Ich tendiere mal zu nein, denn bereits nach 5km sehe ich so aus:


Naja, egal ob ich jogge oder gehe: ich gebe mein Bestes. Ich habe einige Patenschaften vermittelt und auch Geld gesammelt, dass Kinder aus Armut befreit werden. Ich werde mein Herz, wieder einmal, verschenken.
Willst du das auch erleben? Es ist ein unglaubliches Abenteuer!
Meld dich zum Muskathlon in Tansania an!
Oder übernimm eine Patenschaft!
Oder spende einen einmaligen Betrag.
Im Namen Jesu - ein Kind nach dem anderen! :)
Love,
anni



Donnerstag, 24. August 2017

Wanderwochenende am Kandel

Bereits zum 4. Mal haben meine Schwiegereltern ein Augustwochenende im Schwarzwald mit uns verbracht. Diesmal haben wir eine besonders tolle Hütte gefunden: die Gummenhütte am Kandel, in der Nähe von Freiburg.

Bereits letztes Jahr wollten wir sie buchen, aber da war bereits ausgebucht. Wir waren umso glücklicher, dass es dieses Jahr geklappt hat und noch dazu ein Glücksgriff war.
Tolle Natur und Wanderwege ringsherum, wirklich nettes Personal, mit dem man das ein oder andere Schwätzchen halten konnte und eine richtige Wohnung mit Gemeinschaftsraum, Bad und Küche, statt nur einem Zimmer.

Als wir ankamen, war der Kandel in dichten Nebel gehüllt, das machte alles noch abenteuerlicher und ein bisschen mysteriös.

Auch am nächsten Morgen sahen wir noch nicht viel weiter als 20 Meter.
Nach einem guten, einfachen Frühstück machten wir uns trotzdem gemütlich auf den Weg. Bei der Thomashütte angekommen, staunten wir nicht schlecht, als ein heftiger Windstoß den dichten Nebel für ein paar Sekunden lichtete und einen Blick ins Tal freigab. Andy, der Gummenwirt, empfahl uns, hierher zum Sonnenuntergang zu kommen, wir vermuteten also eine tolle Sicht und nahmen uns vor, am Abend wieder herzukommen. Bei einer Entfernung von 1,3km zur Hütte kein Problem und ein schöner Abendspaziergang.

Über die Kandelpyramide (leider ohne Sicht) erreichten wir den leerstehenden Berggasthof, hier wird ein kleiner Kiosk betrieben. Wir stärkten uns dort, ein paar Meter weiter gibt es aber eine schönere Gaststätte, die wir leider erst später entdeckt haben. Der Hunger war in dem Moment einfach zu groß ;)

Nach der Pause gingen wir zurück zu unserem "Fensterliwirt". Als wir über die Kuppe kamen staunten wir nicht schlecht: Wir konnten die Hütte schon von oben sehen und noch dazu hatten wir ein wunderbares Panorama! Vom Parkplatz aus sind es nur 400m über eine Wiese, im Nebel kam der Weg uns ganz anders vor!
Auf der Sonnenliege machten wir zu viert ein Mittagsschläfchen während der einzigen Sonnenstunde des Tages.

Weiter ging es zum Heidbererfelsen, über abenteuerliche und wirklich schmale Pfade mit nahezu freiem Fall, wären nicht Bäume und Sträucher auf dem ganzen Hang gewachsen. Die Aussicht entlohnte den Weg.

Abends stärkten wir uns wieder mit einer Demeter Kartoffelsuppe und Gummenvesper mit Glottertaler Spezialitäten, das wir sogar draußen genießen konnten (warm eingepackt).

Tatsächlich gingen wir nochmal los, um den Sonnenuntergang bei der Thomashütte zu sehen. Es hat sich gelohnt, wenn es auch nicht das spektakulärste Farbenspiel war. Aber die Aussicht über ein in Abendlichtgoldenes Freiburg war wunderschön.



Am Sonntag starteten wir gemütlich, beschlossen dann aber am späten Vormittag, uns noch zu einer längeren Tour aufzumachen. Ziel: Plattenhof und Zweribachwasserfälle. Insgesamt sind es dann am Sonntag wohl so 18km geworden, die aber abwechslungsreich und gut zu bewältigen waren.
Ich habe oft Probleme mit Blasen, bereits bei kürzeren Strecken. Darum habe ich mir vibrams Zehenschuhe gekauft. Die ersten 6km bin ich darin gelaufen und es war ganz wunderbar. Ich habe keine einzige Blase und keine Druckstelle bekommen - ein ganz neues Lebens- und Laufgefühl!
Zum Mittagessen kehrten wir auf dem Plattenhof ein, ein wunderbarer Bauernhof mit Gastwirtschaft. Die freilaufenden Ziegen haben es uns besonders angetan :) Das Essen war gut und viel und ein sehr guter Preis. Große Empfehlung, man kann auch direkt mit dem Auto hinfahren. Für Kinder gibt es einen großen Spielplatz mit Bodentrampolin und Platz zum Toben.

Weiter ging es 2 abenteuerliche Kilometer zu den Zweribachwasserfällen, durch einen Bannwald. So einen wilden (ausgezeichneten) Weg habe ich in Deutschland noch nicht erlebt. Zwei Schilder haben wir gesehen, die an verunglückte Personen erinnerten. Das macht ein mulmiges Gefühl. Aber der gefährliche Abstieg lohnte sich! Die Wasserfälle waren größer als erwartet, über 3 Plateaus und einfach nur schöne, wilde Natur. Es waren zwar einige Menschen da, aber verglichen mit den Triberger Wasserfällen ein richtig tolles Naturerlebnis. Tobi nutzte die Gelegenheit für eine Erfrischung in der "Duschkabine der Kandelhexe" ;)
Auf dem Weg trafen wir auch Familien, für Kinder ein ganz besonderer Weg und eine kleine Herausforderung, die man wandererfahrenen Familien gut zutrauen kann.

Auf dem Rückweg gab es ein kleines Sonnenschläfchen (und eine Häkelpause für mich). Und zum Abschied noch ein Schwarzwaldmilch-Eis in Zweisamkeit beim Gummenwirt, nach dem wir schon große Sehnsucht hatten.


Ein gelungenes Wanderwochenende in einer schönen Wandergegend. Den Kandel und den Fensterliwirt können wir uneingeschränkt empfehlen! Beim Fensterliwirt muss man allerdings rechtzeitig buchen. Bringt man eigene Bettwäsche mit, ist der Übernachtungspreis vergünstigt!

Viel Spaß beim Wandern! Der Spätsommer ist die ideale Jahreszeit, finde ich! :)

Love,
Anni