Montag, 27. Juni 2016

Muskathlon in Uganda Tag Sechs

Heute ist es ein langer Post geworden, aber der Tag war auch lang! Ich erinnere euch nochmal an die Videos von Compassion, die ihr auf Facebook findet. Vom Muskathlontag an sich findet ihr auch bei YouTube diverse Videos, die sich lohnen! :)

Es ist 23:30. Der Wecker klingelt. Normalerweise würde ich um diese Zeit eher erst ins Bett gehen, heute ist es Zeit zum Aufstehen. Ich bin müde und drehe mich nochmal um, verziehe das Gesicht. Muss ich wirklich schon aufstehen? Moment... JA! Heute findet endlich der tatsächliche Muskathlon statt! Das heißt 60 Kilometer liegen vor mir. Vielleicht bleibe ich doch lieber liegen... Tobias regt sich auch langsam. Er macht den Wecker aus. Haha, prima. Nein, ich will aufstehen und loslegen! 
Wir ziehen uns an, ich flechte mir Zöpfe, dass die Haare den Tag über gebändigt sind und die Füße werden mit Blasenpflastern vorbereitet. 
Ganz früh am nächsten Tag, um kurz nach 0:00 Uhr gehen wir zum Nudel- und Kartoffelbuffet. Viel Hunger haben wir nicht, aber wir brauchen Kraft für den Lauf. 
Beim Essen treffen wir Tino, der sich mit einem Restaurantangestellten unterhält. Durch das Gespräch werden wir noch ein bisschen fitter. 
Um 01:20 sind wir nun wirklich wach. Wir treffen uns mit den anderen, die 60 Kilometer gehen wollen und machen uns auf zum Startfeld. 
Im Vorfeld hatte ich ein bisschen Angst, dass wir im dunklen Uganda mitten in der Nacht allein unterwegs sein könnten. Darum hätte ich mir wirklich keine Gedanken machen müssen. Als wir auf dem Gelände ankommen, warten bereits 500 Ugander, die auch mitgehen wollen. Hier herrscht auch schon Partystimmung. Die ganze Nacht haben wir schon bis zu unserer Unterkunft die Musik gehört. Die typischen, spitzen, weißen Partyzelte sind aufgebaut und der Platz ist beleuchtet. 
Wir sitzen auf unseren Plastikgartenstühlen und warten darauf, dass es 2:00 wird. Es gibt noch einen kurzen Input, davon bekomme ich allerdings nicht viel mit. Ich überlege und bete, wie die nächsten Stunden wohl werden. Wir beschließen, dass es doch so warm ist, dass wir unsere Jacken gar nicht mitnehmen müssen. Kurz darauf versammeln wir uns vor der Startlinie. 21 Wanderer aus Europa sind wir, ausgerüstet mit Wanderschuhen, Teleskopstöcken, Stirnlampen und atmungsaktiver Kleidung.  Zwischen den Ugandern, die in Alltagskleidung und teilweise in Flipflops oder ohne Schuhe antreten, fühle ich mich ein bisschen unwohl. Aber viel Zeit zum Nachdenken habe ich nicht, wir zählen von 10 auf 0 und durch einen Goldregen zum Startschuss laufen wir los. Beziehungsweise, wir werden geschoben. Vorne geht es nicht schneller, überholen können wir nicht, Stöcke benutzen? Fehlanzeige, viel zu eng. Ich finde mich ziemlich schnell damit ab, dass wir uns erstmal mit dem Strom treiben lassen müssen, plaudere mal hier, mal da. Plötzlich habe ich drei ugandische Teenager an meiner Seite, die die komplette erste Runde mit mir gehen! Meine Stöcke finden sie besonders lustig, hier benutzen nur alte Menschen einen Stock zum Gehen. Ohne Stirnlampe wäre es stockdunkel, auf diesem unebenen Boden gibt es einige Stolperfallen, daher bin ich auch über meine Stöcke froh. Mit den Mädchen habe ich gute Gespräche und ich traue mich Fragen zu stellen, die ich Erwachsenen vielleicht nicht gestellt hätte. Eine von ihnen ist im Compassion Projekt, die anderen beiden nicht. Wir diskutieren über Reichtum und Gerechtigkeit (und ich lerne ganz viel Gelassenheit von den Teenies), klären die Frage, ob ich einheimischen Kindern mit gutem Gewissen winken kann (ja!) und versuchen ein bisschen zusammen zu singen.
Alle drei Kilometer gibt es einen Waterpoint. Hier gibt es ein Dixi-Klo (:D), Wasserflaschen, isotonische Getränke, Bananen und Schwämme, mit denen man sich abkühlen kann. Beim ersten Waterpoint gehen wir schnell vorbei, das Feld entzerrt sich ein bisschen und wir können nun unser Tempo laufen. Es geht meistens entweder bergauf oder bergab, auf gerader Strecke laufen wir selten, eigentlich nur, als es durch die Stadt Kabale geht. Sonst geht es durch kleinere Dörfer, durch einen Steinbruch oder einfach auf Staubwegen entlang. In den Dörfern sind alle Menschen wach, sie warten schon auf uns. Die Pfarrer stehen im Talar mit allen Gemeindemitgliedern vor den Kirchen, viele haben ein Compassionprojekt. Die Menschen empfangen uns mit Musik und Gesang, segnen uns, rufen uns Danke zu und winken uns mit Baumzweigen zu. Was für ein Fest!
Unseren ersten Stopp haben wir bei KM 15, ich muss auf die Toilette und wir essen ein paar Bananenstückchen. Immerhin sind wir auch schon drei Stunden unterwegs. 
Die letzten acht Kilometer der 21km Runde gehen bergauf durch den Steinbruch. Brutal! Jetzt in der Nacht ist hier niemand außer uns Wanderern. Tobias und ich laufen im gleichen Tempo wie Raphael aus dem Schweizer Team, also beschließen wir, gemeinsam zu gehen. Außerdem die drei Mädchen, die mit mir laufen wollen und gut Schritt halten. 
Wir haben nach der ersten Runde einen guten Schnitt von 5km/h. Damit sind wir sehr zufrieden. Wir entscheiden uns dafür, die Strecke der Biker zu gehen, diese fahren die normale 21km Runde und hängen dann eine 9km Schlaufe dran, die die Marathonläufer nicht laufen, für Wanderer ist sie offen. Am Ende werden wir dann 60km haben und 600 Höhenmeter weniger. Mit diesem Profil können wir den Lauf schaffen, kalkulieren wir. Wir haben nämlich nicht wie geplant um 0.00 gestartet, sondern zwei Stunden später. Dies hat uns ein wenig aus unserem Plan gebracht, wir rechnen bis jetzt, dass wir 14 oder 15 Stunden brauchen, sollen aber um 15 Uhr fertig sein. Knackig! 


Meine drei neuen Freundinnen begleiten uns jetzt nicht mehr, ab Kilometer 21 sind wir zu dritt unterwegs. Hier auf der Schlaufe sind wir anscheinend die ersten, die Menschen, die hier an der Strecke wohnen, sind doch etwas verwundert, uns zu sehen. Außerdem ist die Beschilderung nicht mehr jeden Kilometer, sondern erst nach 4,5 Kilometern, wo auch der einzige Waterpoint ist, ist das Zeichen zum Umdrehen. Daher fragen wir uns zwischendurch, ob wir auf dem richtigen Weg sind und ob wir einen Wegweiser übersehen haben. Aber wir haben alles richtig gemacht und gut gefunden :) 
Durch die Schlaufe haben wir einen super Blick auf den Bunyonyi See, den wir sonst nicht gehabt hätten. Als wir dort sind, geht auch gerade die Sonne auf. Eine schöne Morgendämmerung nach knapp 30 Kilometern. Und wir fühlen uns noch ziemlich fit. Auf geht's also in die zweite Hälfte. Meinen Rucksack lasse ich am Startfeld, mein Camelback (Wasserblase) ist sowieso leer. Da wir an unserem Resort vorbei laufen, bringen wir ihn kurz ins Zimmer und nutzen den Luxus einer Toilette in Privatsphäre. 



Auf geht es also in die zweite Hälfte, ca. um 8:30. Ganz genau weiß ich die Zeiten nicht mehr. Wir laufen* weiter, zu dritt. (* bei mir heißt übrigens alles laufen, was ich mit den Beinen mache. Ich weiß, dass das nicht überall in Deutschland so ist. Wenn ich laufen sage, dann meine ich wandern oder gehen! Wenn ich joggen meine, also das, was die Marathonläufer gemacht haben, dann schreibe ich joggen ;) ) Bis jetzt geht es uns sehr gut, haben wir dem Arzt am Startfeld versichert. Und es ist auch so. Dafür, dass wir schon eine komplette Tagestour hinter uns haben und es erst früher morgen ist, geht es uns wirklich gut. 
Es ist spannend, nun die Route im Tageslicht zu gehen. Den Weg durch die Dörfer genießen wir sehr, es ist landschaftlich wunderschön, wir haben durch unsere Höhenlage tolle Ausblicke und die Menschen sind freundlich. Kinder aus dem Dorf schließen sich uns an, laufen teilweise Kilometer weit mit uns. Ich klemme meine Stöcke unter den Arm und nehme die Kinder an die Hand. Kommunikation ist weder möglich noch nötig, wir laufen einfach gemeinsam. In diesem Moment weiß ich, warum ich das alles mache, denn ich laufe genau für diese Kinder, die gerade an meiner Hand sind und mir ab und zu verstohlene Blicke zuwerfen oder vorsichtig meinen Arm streicheln. Kinder, die keine Hoffnung haben, aus der Spirale der Armut ausbrechen zu können, weil sie am "falschen" Ort auf die Welt geboren wurden. 

Auf dem Bild oben seht ihr mich nach knapp 50 Kilometern. Da war ich dann schon ziemlich am Ende meiner Kräfte und ich zeige auf den Weg, wo wir herkamen. Das ist der 8km lange Anstieg. 
Ich habe ernsthaft mit mir gerungen, ob ich bei Kilometer 51 im Ziel bleiben soll, oder ob ich mit Tobias die letzten 9 Kilometer noch laufen soll. Ich hatte wirklich keine Lust mehr. Aber "aufgeben" hätte sich nicht richtig angefühlt. Ich hatte das Gefühl, wenn ich jetzt nicht die letzten 9 Kilometer weitergehe, hätte ich daheim bleiben sollen. Denn die Menschen hier haben keine Wahl. Ich schon. Und ich wollte mich dafür entscheiden, zu kämpfen. Das war meine persönliche Entscheidung und mein persönliches Empfinden. In dem allen ging es nicht um die Leistung an sich oder um die beste Zeit. Einige sind weniger gelaufen, als sie eigentlich geplant hatten und das ist auch gut und ok so. Aber für mich war es nicht richtig. Ich hatte die Kraft, nur nicht die Motivation, aber ich wollte bereit sein, ALLES zu geben. 

Und Gott hat mich die letzten Kilometer getragen, das kann ich wirklich sagen. Jeder Schritt war Anstrengung und bei jedem Schritt musste ich mich überreden, meinen Fuß hochzuheben. Ich wollte am liebsten einfach hinsetzen und warten, dass mich jemand vom Team abholt. Tobias hatte einen ähnlichen Durchhänger, den wir auch auf Video aufgezeichnet haben, aber das ist zu privat, das ist nur für uns :) Das war 4 Kilometer vor dem Ziel und ich dachte ich werde gleich verrückt. 

Aber: wir haben es tatsächlich geschafft! 60km in genau 13 Stunden! Kurz vor dem Zieleinlauf haben wir unsere ugandische Flagge ausgepackt, als Zeichen, dass wir für Uganda und für Gott, den König, der die ganze Welt in seiner Hand hält, gelaufen sind.


Kurz nach dem Bild wurden wir in den Arm genommen, gedrückt, haben unsere Medaillen bekommen und wurden gut versorgt mit Cola :D Bananen konnte ich einfach nicht mehr sehen.


Ich war so unendlich erleichtert und glücklich, aber auch einfach fix und fertig. Die beiden Bilder oben und unten fangen diesen besonderen Moment ganz gut ein. "Fertig wie ein Lachsbrot" sei ich, hat unser lieber Freund Andi (auch mit Blog) gesagt :) Recht hatte er!



 

Mit diesen zwei Mädels bin ich die erste Runde gelaufen: Esther (14) und Mable (17).


Am Abend hatten wir noch eine kleine Party mit allen Muskathleten in einem Pavillon, der zum Hotel der Holländer gehört. Dort hat man einen fantastischen Blick und es war eigentlich eine schöne Idee, aber mittlerweile waren Tobias und ich schon 20 Stunden wach, davon sind wir 13 Stunden gewandert und wir waren einfach nur müde. Ich war froh, als es wieder "heim" zu unserem Resort ging und wir ins Bett fallen konnten. 

Love,
Anni


Sonntag, 26. Juni 2016

Muskathlon in Uganda Tag Fünf

Zu Tag Fünf kann ich euch nicht so viel erzählen. Es war ein Ruhetag, den wir auch dringend gebraucht haben. Endlich mal Nicht vor 7:00 zu frühstücken war schon purer Luxus 😁 wir gingen den Tag gemütlich an, nach dem Frühstück setzten wir uns an den Bootssteg um ein bisschen zu lesen und zu beten und die Aussicht zu genießen. Beim Bootsausflug, den ein Teil der Gruppe machte, sind wir nicht mit, denn wir wollten den Mittag nutzen, um unsere Rucksäcke für die Wanderung zu packen. Tobi und ich haben beide einen kleinen Rucksack mitgenommen, gefüllt mit einem Wassersack, Sonnencreme, Energieriegel, Blasenpflaster, Actioncam, Sonnenhut, Ersatzschnürsenkel.

Dafür kann ich hier ein bisschen mehr zu unserer Unterkunft, dem Bunyonyi Overland Resort schreiben. Wir haben uns dort sehr wohl gefühlt, auch wenn es im direkten Vergleich zu unserem tollen Hotel in Kampala natürlich viel einfacher war. Die Handtücher waren nicht soooo einladend, aber wir hatten sowieso eigene dabei. Das Badezimmer war basic aber prinzipiell sauber. Das Areal ist einfach toll. Man findet eigentlich überall ein tolles Plätzchen, wo man sich hinsetzen kann. Im Bunyonyi See darf man offiziell baden, anscheinend besteht keine Bilharziose-Gefahr, die WHO empfiehlt es allerdings in ganz Uganda nicht. Das Essen war gut und für europäische Verhältnisse günstig, für ugandische Verhältnisse sind die Preise natürlich eher hoch. Das Personal ist freundlich, aber nicht übertrieben wie im Speke Resort. 
Jeden Abend wird ein kleines Lagerfeuer entfacht, um das man sitzen kann, abends und auch morgens ist es auf dieser Höhe doch recht kühl. 
Vom Resort aus kann man einige Aktivitäten buchen, wir haben uns allerdings nicht so genau informiert. Safaritouren, vor allem Gorilla Trecking, werden auf jeden Fall angeboten, außerdem Kanufahrten zu den vielen verschiedenen Inseln auf dem See. Wenn man ins Gespräch kommt, bekommt man schnell Angebote :)


Wir haben im Internet gelesen, dass hier immer etwas los ist und andere Resorts ruhiger sind. Uns hat genau das jedoch gut gefallen :)





Wir haben nach dem Rucksack packen noch unsere Shirts mit Startnummer versehen und sind schon früh ins Bett gegangen, und zwar um 16:30. Ich konnte relativ gut einschlafen, Tobias leider nicht so. Ab und zu sind wir zwar aufgewacht, da wir die Gespräche und Geräusche von draußen gehört haben. Vor allem um 20:00, da gab es nämlich einen Stromausfall (und um diese Uhrzeit ist es ganzjährig schon stockdunkel), und alle sind erschrocken und haben aufgeschrien :D 

Wir sind noch am gleichen Tag wieder aufgestanden, um 23:30.... doch vom Muskathlontag werde ich euch im nächsten Post berichten! Seid gespannt :)

Love, Anni


Donnerstag, 23. Juni 2016

Muskathlon in Uganda Tag Vier

Heute war der Kids Funday in Kisoro, wo wir auch gestern schon in den Projekten und in den Homevisits waren. Also wieder 2,5 Stunden Bus pro Weg. Da wir gestern so den Zeitplan gesprengt haben, sind wir heute eine Stunde früher los, um 7:00.
Als wir ankamen waren auch schon einige Kinder da, insgesamt waren es dann 400 Kinder. Alle Kinder aus dem Projekt haben ein rotes Shirt bekommen, auf dem sowohl das Logo von Compassion und dem 4. Musketier drauf ist, hinten steht in großen weißen Buchstaben Jesus Loves Me. Wir wollen den Kindern heute einen sorglosen Tag bereiten und sie feiern! Diese Kinder sind so genial und von Gott geliebt! Das versuchen wir heute, ihnen ein bisschen deutlich zu machen, indem wir sie lieben und mit ihnen spielen. Heute geht es nur um die Kinder!

Wenn man den Kindern gegenüber offen ist hat man schnell an jeder Hand mehrere Kinder.
Dorcus war auch da. Was mich besonders gefreut hat war, dass sie uns erkannt hat und zu Tobi gekommen ist. Und so standen wir zusammen und feuerten die Kinder an, die beim Wettlauf mitliefen, der den Funday eröffnet hat. Heute war Dorcus schon deutlich offener und suchte von sich aus engen Körperkontakt. Es war so schön sie auf dem Arm zu heben und sie an den Händen zu halten. Vielleicht die schönsten Minuten des Tages, ganz intim nur sie und ich, in der Masse der ganzen Kinder und Muzungus.

Die Wettlaufstrecke
Dann wurden die 400 Kinder in 20 20er Gruppen eingeteilt. So eine Geduld und Ruhe erwartet man nicht bei so einer Menge an Kindern, die Einteilung funktionierte problemlos. Auf mein Staunen hin tauschte ich mich mit unserem Muskathlonfreund Markus darüber aus und er sagte etwas, was mich sehr ins Nachdenken brachte. Er sagte nämlich, dass mir solch brave Kinder nicht lieber wären, wenn wir dafür auch die gleichen Umstände, unter denen sie groß werden, in Kauf nehmen müssten. Die Erziehung (und Züchtigung) und das Bild des Kindes sind hier ganz anders als in meinem Umfeld. Aber das ist ein anderes Thema... Zurück zum Funday:
Jede Gruppe ging zu einem Spielfeld, wo zwei Bazungu das Spiel leiteten. Ich war mit Tobias beim Staffel-Weitsprung, die Kinder traten in zwei 20er Gruppen gegeneinander an. Das Spiel fand ich nicht genial, es entwickelte sich nur schwer eine Gruppendynamik wie bei manch anderen Spielen.


Trotzdem war es ein toller Vormittag mit viel Spaß für die meisten Kinder.
Aber es gibt auch eine Kehrseite der Medaille: Ganz problematisch für mich fand ich, dass nur die Kinder aus den Projekten teilnehmen durften. Anders wäre es wahrscheinlich eine schwer vorhersehbare Menge an Kindern gewesen, aber die Kinder am Rand zu sehen, die nicht mitspielen durften, kein Essen bekamen und auch deutlich schmutziger und in kaputten Kleidern da waren brechen einem fast das Herz. Wenn sie dann noch rufen und nach Geld oder Wasser fragen, dann muss man auf Durchzug stellen. Denn nur einem Kind etwas zu geben provoziert Streit und Missgunst, aber für alle reicht es einfach nicht. So viel Wasser, Geschenke etc. kann man gar nicht mitnehmen. Das einzige was man geben kann ist sich selbst, Umarmungen, Hände halten... Und dafür hatte ich eigentlich keine Zeit, ich war ja beim Spiel eingeteilt und so musste ich auch das Angebot ausschlagen, als mich ein Teenie-Mädchen in ihr Haus eingeladen hat.
Zum Essen saßen wir als Gruppe bei den Bussen, das war auch eine extrem komische Situation. Die Kinder aus dem Dorf saßen auf der anderen Wegseite und riefen ab und zu, fragten nach Wasser und Geld. Ich konnte nicht essen, es ging einfach nicht.

Nach dem Essen kam dann aber noch ein sehr schöner Moment, wir hatten nochmal Zeit nur für Dorcus. An diesem Tag haben alle Paten ihr Patenkind getroffen, in der Versammlungshalle standen Stühle bereit und die Patenkinder warteten bereits auf uns. Hier war die Organisation, bzw. das Matching, nicht soooo gut und es gab sogar eine Verwechslung :o
Wir erkannten Dorcus natürlich gleich und gingen sofort zu ihr. Anfangs war sie etwas überfordert, obwohl es draußen gar kein Problem war. Sie ist schnell aufgetaut, aber es hat uns nochmal bestätigt, dass sie es nicht gewohnt ist, der Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu sein. Aber es ist ja verständlich und gar kein Problem, dass sie ein bisschen schüchtern war.
Wir haben ihr ein paar Kleinigkeiten als Geschenk mitgebracht. Ich habe noch nie ein Kind gesehen, dass sich an Buntstiften, einem Radiergummi und einem Spitzer so sehr freut! Oder über einen Taschenrechner! Außerdem hat sie noch ein Einsteck-Fotoalbum bekommen, ein Bibelgeschichtenbuch mit 2000 Stickern, zwei Schreibhefte und ein Büchlein zum Malen und Schreiben und zwei Armbändchen. Eins davon bunt mit Perlen, das andere ist ein Armband, das meine Freundin für uns drei als Freundschaftsarmband geknüpft hat.
Wir hatten einen Übersetzer (ein Mitarbeiter aus ihrem Projekt), da Dorcus noch kaum Englisch spricht. Die älteren Kinder konnten teilweise aber richtig gut Englisch. Ich war erstaunt über das Pädagogische Wissen des Projektmitarbeiters. Er konnte uns viel über die Kinder und deren Verhalten in den Projekten erklären.







Es wird auf jeden Fall noch einen Blogpost über Besuche bei Compassion Patenkindern geben, was man schenken und mitbringen kann etc. Wenn ihr Fragen dazu habt, schreibt sie mir doch in die Kommentare, dann kann ich die direkt beantworten.

Wieder im Hotel angekommen hatten wir dann noch ein kleines Training, Tobi und ich sind ungefähr einen Kilometer gewandert, da reißt doch tatsächlich mein Schnürsenkel! Zum Glück war er noch lang genug, dass ich den Schuh immer noch binden konnte. Sonst macht die Strecke einen ziemlich staubigen und unebenen Eindruck. Aber wir sind ein bisschen beruhigt, das wird schon :)

Love, Anni


Montag, 20. Juni 2016

Muskathlon in Uganda Tag Drei

Auch heute ist das Frühstück wirklich früh... es wird gerade hell, als wir zum Frühstück gehen und als wir unsere Cottagetür öffnen sind wir überrascht über den herrlichen Ausblick über den Lake Bunyonyi, denn gestern sind wir im Dunkeln angekommen.
Wir haben wieder eine Busfahrt vor uns. Heute geht es nach Kisoro, wir besuchen ein Compassionprojekt und auch Home Visits sind wieder geplant. Ich freue mich auf den Tag. Leider bin ich nicht ganz sicher, aber meine dass unser Patenkind in Kisoro oder in der Nähe wohnt. Daher bin ich auch etwas aufgeregt, spätestens morgen treffen wir die Kleine.
Die Busfahrt führt uns durch hügelige Teeplantagen, an Gorillawäldern vorbei und natürlich auch über einige Speedbumps. Die Landschaft ist atemberaubend. Uganda ist so grün, zumindest hier im Süden und direkt nach der Regenzeit.
Wir entdecken unser erstes wildes Tier: Paviane hocken gemütlich an der Straße. Leider sind sie die wildesten Tiere, die wir auf dieser Reise sehen werden ;)
Wir fahren an einem UNESCO Flüchtlingslager für Menschen aus dem Kongo vorbei und auch an einer kleinen Landebahn bzw. Schotterpiste, die quer über die Straße geht und bei einer Landung kurzerhand mit einer Schranke abgesperrt wird. Steve ist hier sogar schon mal gelandet!

Haus der Pygmäen im Vordergrund

Irgendwie geht die Zeit vorbei und wir fahren schon länger, als angekündigt. Wir halten an einer Tankstelle, kurze Pipipause, aber wir sind wohl schon in Kisoro und ab hier fährt jeder Bus zu einem anderen Projekt. Auf dem Weg zu dem Projekt Kisoro Hill fahren wir auch an Pygmäenhäusern vorbei, diese Volksgruppe ist für die Ugandern etwas Besonderes. Die Compassion Mitarbeiter aus Uganda erklären uns, dass der Staat Häuser für die Pygmäen gebaut hat, in welchen sie aber nicht wohnen wollen. Daher hausen sie in kleinen (winzigen!), runden Wellblechunterkünften mit Plastikplanenfetzen abgedeckt. Ich glaube nicht, dass Tobias da drin liegen bzw. Stehen könnte. Angeblich benutzen diese Menschen Gummireifen zum Heizen und Kochen und es soll daher ziemlich rauchig und stickig in diesen Häuschen sein... dieser kleine Exkurs wirft zwar einige Fragen bei uns auf, aber die Pygmäen sind nicht der Fokus unserer Reise. Wir sind auch schon fast da, der Bus kann nicht weiter fahren, wir laufen das letzte Stück.
Herzlich werden wir von Pastor George und seinem Team willkommen geheißen, man hat schon auf uns gewartet. Hände schütteln und umarmen, wir sind auch hier "most welcome".


Hier bekommen wir einen richtig tiefen Einblick in die administrative Arbeit von Compassion in Uganda. Wir sehen die Akten der Kinder im Büro, gefüllt mit Briefen, Bildern, Gesundheitschecks, Zeugnissen.... wir sind alle erstaunt über die Sorgfalt und Bürokratie, die für Afrika eigentlich untypisch erscheint.  Tatsächlich sind Compassion Kinder begehrte Arbeitnehmer, da sie im Projekt lernen pünktlich, ehrlich und zuverlässig zu sein.
An den Wänden im Büro hängen überall handgeschriebene Plakate, auf denen die Regeln des Projekts zu lesen sind oder die Auswahlkriterien für die Aufnahme ins Projekt.

Außerdem lernen wir die Arbeit mit den Schwangeren und Müttern kennen, die bis jetzt von Deutschland noch nicht durch Patenschaft finanziert wird. Mütter sollen befähigt werden ihre Kinder zu versorgen und zu erziehen und natürlich beginnt der Schutz der Kinder bereits im Mutterleib.

Wir gehen weiter, durch eine kleine Baustelle. Hier sollen neue Spielräume für die Kleinsten entstehen, wenn ich es noch richtig weiß. Ich erkundige mich, wann die Bauarbeiten voraussichtlich abgeschlossen sein werden und staune nicht schlecht, als ein Mitarbeiter mir in aller Selbstverständlichkeit und Seelenruhe erklärt, dass sie ca. 2022 mit der Fertigstellung rechnen. Immerhin stehen die Mauern schon komplett! Es arbeiten freiwillige Eltern und Gemeindemitglieder an dem Bau, außerdem muss immer erst der nächste Arbeitsschritt durch Spenden finanziert sein. Geduld ist hier wichtig ;)

Wir gehen weiter, an spielenden Kindern vorbei, Alex zeigt uns den großen Holzofen des Projektes und wir schauen kurz in die Küche, in der Hochbetrieb herrscht. Ich bin neugierig und gehe in das fensterlosen Gebäude. Ohne Abzug wird hier auf dem offenen Feuer gekocht, es ist rauchig und stickig. Der Koch ist begeistert über meinen Besuch und erklärt mir alles ganz genau. Nachdem er mir erklärt und gezeigt hat, wie er die Hähnchenmarinade zubereitet, kann ich mich entschuldigen und die Gruppe suchen, die bereits weiter gegangen sind. Nur knapp bin ich wahrscheinlich einer Rauchvergiftung entkommen ;)
Wir gehen in die Versammlungshalle, in der die Kinder schon brav und ruhig und auch gespannt warten. Die Kinder haben eine kleine musikalische Vorführung für uns einstudiert und sie machen es großartig. Ich sitze ganz hinten, ab und zu gesellen sich ein paar kleine Mädchen zu mir, die kichern und sich etwas zu Flüstern und nach kurzer Zeit wieder verschwinden.
Die Aufführung geht in eine spontane Lobpreisparty über, bei der Alex, der Compassionmitarbeiter, sich nicht halten kann und voll von heiligem Geist auf der Bühne auf und ab springt. Er bleibt nicht lang allein, nicht jeder kann sich auf seinem Platz halten. Was für eine Atmosphäre!
Nach dem Spektakel sammeln wir uns draußen, um uns für die Home Visits aufzuteilen. Ich frage beiläufig eine Mitarbeiterin, ob mein Patenkind in diesem Projekt ist und kann kaum glauben, dass sie nur wenige Meter neben mir steht, als ich meine Frage stelle. Ich weiß gar nicht wie ich reagieren soll, weil mir sofort die Tränen kommen. Erstmal lernen wir, dass unsere Mapendo hier eigentlich Dorcus genannt wird. Ich setze mich auf die Stufen, um auf Augenhöhe zu sein. Die sonst so quirligen und Kontaktfreudigen Kinder werden ganz schüchtern, sobald sie erfahren, dass sie ihrem Sponsor gegenüber stehen. Die Kinder in Uganda sind es nicht gewohnt, Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu sein oder tiefere Fragen gestellt zu bekommen.
Gemeinsam mit einer anderen Gruppe und einem Patenkind fahren wir mit dem Bus los zum Homevisit. Wir gehen gemeinsam erst zur Familie des anderen Patenkindes. Der Bus kann nicht bis zum Haus fahren und hält an der Wasserstelle des Dorfes. Wir gehen noch ein paar Minuten, anscheinend ist es ein ganzes Stück, ich habe aber überhaupt kein Zeitgefühl. Wir gehen Hand in Hand mit Dorcus, tanzen, hüpfen und machen "Engele flieg" mit ihr, was ihr ein Lächeln entlockt.

Als wir bei der ersten Hütte ankommen, denke ich, dass Dorcus auch hier in der Nachbarschaft wohnt, das stimmt jedoch nicht, wir fahren später erst nochmal mit dem Bus zu ihr. Wir werden vom Vater des anderen Kindes ins Haus eingeladen. Es ist ganz anders hier als in dem Zuhause in der Großstadt Kampala. Das Haus ist aus Lehm gebaut und besteht aus einem Wohn- und einem Schlafraum. Die Mutter ist am Morgen ins Krankenhaus gekommen, sie hat Aids. Die große Schwester holt aus dem Schlafraum ihr Neugeborenes, sie selbst ist gerade 17 geworden. Ich traue mich nicht nach dem Vater des Babys zu fragen, alle wirken sehr verletzlich und schutzlos. Wir setzen uns auf die Holzbänkchen im Wohnzimmer, in der Ecke schläft ein Huhn. Der Vater erzählt ein bisschen, er spricht kein Englisch, aber ein paar Brocken Französisch. Die Stimmung ist irgendwie bedrückt, aber Dorcus sitzt auf meinem Schoß und ihr gehört mein größtes Interesse.
Wir beten für die Familie, machen ein Erinnerungsfoto und gehen zurück zum Bus, nun fahren wir zu Dorcus.


Von dem Besuch bei ihr erzähle ich euch in einem nächsten Posting, darauf könnt ihr gespannt sein. Wir sind jedenfalls sehr erfüllt und voller Freudentränen in den Augen weiter zum nächsten Programmpunkt. Wir sind nach den Besuchen bei den Patenkindern zu einem Berg gefahren, der wunderbar kugelrund war. Da sollen wir hoch, wir sind schon die letzte Gruppe, ich bin so geflasht von unserem Besuch bei Dorcus und ich muss auf die Toilette. Außerdem trage ich Flip-Flops. Erstmal tief durchatmen und schnell noch auf dem Weg mit Sonnencreme eincremen. Und einfach hinterher laufen.









In diesem Moment bin ich besonders froh, dass ich gemeinsam mit meinem Musketiermann hier bin, der alle diese emotionalen Momente mit mir teilt und trägt und mich wieder zum nächsten Programmpunkt mitzieht. Oder den Berg hoch schiebt. Als ich die Einheimischen Kinder in Flip-Flops oder barfuß den Berg hoch springen sehe wie kleine Zicklein bekomme ich einen neuen Motivationsschub. Es gibt hier keinen Wanderweg, höchstens einen kleinen Trampelpfad. Oben angekommen hat die Mühe sich gelohnt. Der Ausblick ist unbeschreiblich und kein Bild wird diesem Gefühl von Freiheit gerecht. Der Berg ist ein Vulkan und hat ein Kraterloch oben in der Mitte. Da sollen wor runter, doch ich ahne, dass diese Rutschpartie nichts für mich ist. Mit drei anderen Frauen bleiben wir oben auf dem Rand, interessiert beobachten die Kinder, was wir nun machen. Dabei warten wir einfach nur. Als die Gruppe ach Lobpreis und Input wieder hochkommt, umrunden wir den Krater gemeinsam und beten für Kisoro und den Kids funday, den wir morgen hier für ca. 400 Compassion Kinder organisieren.
Das erste Mal schlafe ich im Bus vor Erschöpfung ein, das heißt ich muss wirklich super Müde gewesen sein. Wieder kommen wir im Dunkeln in unserer Unterkunft an und heute versuchen wir gar nicht erst, besonders lange wach zu bleiben. Sobald wir alle alle Infos haben, die wir für den Spieltag morgen brauchen, verschwinden wir unter die Dusche und ins Bett.

Der Tag war wunderschön aber auch anstrengend, weil er so emotional war. Selbst jetzt nochmal alles aufzuschreiben ist sehr emotional für mich.
Schreibt mir doch gern einen Kommentar, wie ihr meine Berichte findet, was euch noch interessiert, ob ihr erst die weiteren Tage lesen wollt oder über den Besuch bei Dorcus....:)

Love, Anni


Mondaufgang