Dienstag, 16. August 2016

Rückblick & Ausblick zum Muskathlon

Voll Freude darf ich euch mitteilen, dass wir fest planen nächstes Jahr am Muskathlon in Indonesien teilzunehmen. Wie cool ist das bitte? Ich war noch nie in Asien und bin super aufgeregt :)

Nächstes Jahr gibt es zwei deutsche Muskathlons mit Compassion, im Mai in Ruanda und im Oktober in Indonesien. Wenn du dich entschließt mitzukommen, wirst du von mir freudig begrüßt werden, denn mein Mann und ich sind im Project Office Team. Bis jetzt sind noch keine Anmeldungen eingegangen, du könntest der 1. deutsche Teilnehmer für Indonesien sein :)
Bei unserer Mitarbeit haben wir das Gefühl, am richtigen Ort zu sein. In Uganda haben wir uns dazu entschieden, unsere Bereichsleitung im Kindergottesdienst abzugeben, da unser Herz für Gerechtigkeit und für die Kinder der Welt schlägt. Vor wenigen Wochen kam dann die Anfrage und für uns war klar, dass Gott uns vom KiGo freigestellt hat, um hier mitzuarbeiten. Ich habe echt Respekt vor der Aufgabe, hauptsächlich Kommunikation und ein bisschen Planung, darum habe ich im Gebet Gott gefragt, ob ich mir das überhaupt zutrauen kann.
Und es war mir, als flüsterte er mir ins Herz: "Die Frage ist nicht, ob du die Aufgabe übernehmen willst oder nicht, sondern ob du mir vertraust. Du musst mir nur vertrauen."
Also sind wir dabei! Und wir sind so gespannt auf die Aufgaben, die vor uns liegen.

Genau so dankbar sind wir für den Muskathlon, der hinter uns liegt. Und endlich habe ich es geschafft, ein Video hochzuladen, das nicht von Youtube gesperrt wird. Dafür ist die Musik....sagen wir mal, die Originalversion gefiel mir besser ;)

Viel Spaß beim Anschauen :)

Love,
Anni

Mittwoch, 10. August 2016

10/10 [August]

Heute ist der Geburtstag meiner jüngeren Schwester Marina.
Ich investiere diesen Monat in ihr Geburtstagsgeschenk.


Und ich möchte dich auch ermutigen, diesen Monat in einen Menschen in deinem Umfeld zu investieren. Mit Zeit. Vielleicht auch mit Geld. Mit Geschenken... egal! Lass dir was einfallen :) Verschenke deine Liebe, zum Lob Gottes :)

Love,
Anni

Mittwoch, 20. Juli 2016

Uganda: Packliste und Reisetipps

Bei diesen ugandischen Temperaturen schwelge ich in Uganda Erinnerungen und dachte es ist an der Zeit, euch an meiner Packliste teilhaben zu lassen.

Denn Uganda ist ein super Reiseland. In das nur sehr wenige reisen. Ich verstehe nicht wieso:

geniales Klima, wunderschöne und sehr abwechslungsreiche Landschaft, tolle und große Nationalparks und freundliche Einwohner. Außerdem gibt es super Guesthouses!

Uganda liegt in Ostafrika, der Äquator führt durch Uganda und das Klima ist daher feucht und heiß. Wir waren auch im Südwesten Ugandas, dort ist es ziemlich hoch gelegen und wird durchaus kühl am Abend und auch morgens war es noch recht frisch.
Ich war erstmal ziemlich ratlos und deshalb habe ich im Vorfeld sehr viel recherchiert, bzgl. der Temperatur und Erfahrungen von anderen Reisenden nach Uganda. Ich bin auch fündig geworden, hauptsächlich auf englischen Blogs.
Da wir mit dem Rucksack unterwegs waren mussten wir sehr sparsam packen für die drei Wochen Reise.  Natürlich hatten wir immer noch zu viel dabei, das ist bei uns irgendwie immer so. Meine Erfahrungen will ich mit euch teilen.

Wir waren nach der Regenzeit in Uganda und waren hauptsächlich in Jinja (am Nil), Kampala (die Hauptstadt am Lake Victoria), Kisoro und Kabale am Lake Bunyonyi (beides ruandische Grenze, 
hoch gelegen). Dort waren wir hauptsächlich in der Stadt, in den Dörfern und in Kinderhilfswerken unterwegs. 
Wir haben KEIN Gorilla Trekking gemacht. Dafür und wenn man die sehr hohen Berge Ugandas, Ruandas, Tansanias... besteigt, oder irgendwas anderes spezielles plant, muss man natürlich auch darauf eingestellt sein :) 

Im Vorfeld noch drei Tipps:

Wir waren 3 Wochen unterwegs, hatten aber nicht Unterwäsche und T-Shirts für drei Wochen dabei. Stattdessen haben wir zwei kleine Reisetuben Waschgel mitgenommen (Rei in der Tube), damit haben wir unsere Wäsche immer wieder zwischendurch gewaschen. Das ist in Uganda echt gar kein Problem, in jeder Unterkunft hatten wir eine Waschschüssel zur Verfügung und an der Sonne trocknet alles innerhalb von einem halben Tag.

Außerdem haben wir unsere Kleidung gerollt, statt zusammengelegt. So spart man eine Menge Platz, vor allem wenn man mehrere T-Shirts übereinander legt und dann zusammenrollt. Sonderlich praktisch ist es nicht, da man dann immer alle T-Shirts auseinanderrollen muss, um an eins dran zu kommen. Man kann die Kleidungsstücke natürlich auch einzeln rollen.

Drittens: Wir haben uns kleine Stoff-Organizer besorgt, wie z.B. auch den Kulturbeutel für die Toilettenartikel. Hier haben wir jeweils alle T-Shirts, alle Hosen oder die Ladekabel der Technikgeräte verstaut und hatten alles griffbereit, ohne dass es im Rucksack ein Durcheinander gibt.

Bei den zwei Bildern seht ihr meine komplette Kleidung, auf dem oberen Bild bereits zusammengerollt, auf dem unteren ausgebreitet, dass man alles sieht. Ich schreibe euch auf, was ich beim nächsten Mal mitnehmen würde und dahinter in Klammern, was ich tatsächlich dabei hatte. 

Also, hier kommt sie, meine ultimative Packliste für Uganda :)



Unterwäsche
  • Höschen für 5-7 Tage je nach dem wie oft ihr waschen könnt und wollt
  • 1 Paar Sportsocke (ich hatte 2 Paar, hatte insgesamt nur 1x Socken gebraucht)
  • 1 Paar Wollsocken hab ich auf JEDER Reise dabei, egal wohin. Selbst wenn ich sie nur im Flugzeug brauche. Kalte Füße gehen gar nicht :D
  • 1 Paar Wandersocken für den Muskathlon
  • 1 BH zum Wechseln und einen Sport BH 
Kleidung
  • 1 lange Hose (ich hatte 2, da ich eine beim Muskathlon anhatte, selbst die eine hätte mir gereicht)
  • 1 Rock mindestens Knielänge
  • 2 Kleider mindestens Knielänge, keine Spaghettiträger, kein tiefer Ausschnitt
  • 1 Leggings (ich hatte 2) für unter den Rock/ das Kleid super
  • 2 Radlerhosen (kurze Leggings) mein super Geheimtipp, würde ich jederzeit wieder so machen: ich hatte immer unter dem Rock/Kleid eine Radler: niemand kann unter deinen Rock schauen PLUS die Oberschenkel reiben bei der feuchten Hitze nicht aneinander und es ist nicht viel wärmer als ohne sie.)
  • 1-2 Sport-T-Shirts trocknen super schnell, gut wenn man viel schwitzt
  • 2-3 weitere T-Shirts (so dass es inges. 3-5 sind, je nachdem wie viel Platz man hat und wie oft man waschen kann)
  • 0-2 Tops (ich hatte 3 Stück dabei, hatte aber nur einmal das hellblaue, schicke an. Eigentlich sollten die Schultern bedeckt sein, kulturell aber auch wegen der Sonne)
  • Schlafanzug (ich hatte ein extra Shirt, das war aber viel zu warm. hab mit Top geschlafen und einer Boxershorts oder Unterwäsche)
  • eine langärmlige, atmungsaktive Bluse die war suuuuper als Sonnenschutz, sonst brauchte ich sie nicht, hätte aber auch Mückenstiche verhindert
  • 1 Langarmshirt (ich hatte 2, eins hätte gereicht)

Outdoor
  • Fleecejacke und Softshelljacke habe ich nie angehabt
  • 1 Strickjacke für die kühlen Abende
  • 1 Schaltuch ersetzt im Notfall auch mal eine Jacke
  • 1 Baff ist immer praktisch, als Stirnband, leichte Mütze, Sonnenschutz...
  • evtl. Regenjacke je nach Jahreszeit
Schuhe
  • FLIPFLOPS eigentlich braucht man nur Flipflops :D
  • je nach Unternehmung: Wanderschuhe (unbedingt wenn du zu den Berggorillas willst)
  • leichte Stoffschuhe oder Trekkingsandalen für mehr Halt als in Flipflops
  • ich hatte noch Turnschuhe dabei, hatte ich 1x an. Aber 1 Paar geschlossene Schuhe ist schon sinnvoll

Toilettenartikel
  • 1 Waschlappen (2)
  • 1 normales Handtuch (für die Haare und zwischendurch)
  • 1 Duschhandtuch beide Handtücher sind schnelltrocknende Reisehandtücher
  • ein paar Erfrischungstücher oder einzeln verpackte Feuchttücher für die wasserlose Katzenwäsche unterwegs, im Bus, etc.
  • SONNENCREME! Ehrlich, am Äquator brutzelst du!
  • Bepanthen (/ Feuchtigkeitscreme) ist besser als jede Aftersuncreme die ich kenne
  • der Rest sollte klar sein ;) was man halt so braucht
(Seife bekommt ihr in jeder Unterkunft, Duschgel muss man also nicht in Massen mitnehmen)

Sonstiges
  • MÜCKENSPRAY! (zB NoBite, hat bei uns wirklich super gewirkt!)
  • Schlafsackinlay aus Baumwolle toll in weniger sauberen Unterkünften und reicht auch sonst als Decke
  • Kissenbezug wir haben einen, der milbendicht ist geschenkt bekommen von unserem Outdoorladen
  • Sonnenhut & Sonnenbrille
  • Reiseapotheke (Wundspray! Pflaster, steriles Material,...)
  • Kamera mit Ladekabel, Ersatzspeicherkarte, Ersatzakku
  • Handy mit Ladekabel etc. Handykarte und Internet ist sehr billig und überall erhältlich, superschnelles 4G Internet fast überall, wlan in den meisten Unterkünften vorhanden
  • Adapter für die Steckdose (britisch) 
  • Powerbank zum Laden zwischendurch
  • Stirnlampe nachts ist es wirklich stockfinster, Straßenlaternen gibt es nur in großen Städten (und damit meine ich die Hauptstadt)
  • Notizbuch, Schreibsachen, Bibel
  • Seifenblasen damit machst du viele Kinder überglücklich, nicht nur eins, das ein kleines Geschenk bekommt und Streit auslösen wird
  • Fotos von Zuhause kannst du den Kindern/Familien zeigen, beschränk dich aber etwas und zeig nicht deinen ganzen Luxus. Zeig ruhig auch Bilder von allgemein Deutschland, die Natur, deine Stadt, Kirchen etc. oder Familienfotos (sind heiß geliebt in Uganda)
  • Dollar (Scheine nur ab 2010) kann man leichter tauschen als Euro



Ich fühle mich, als hätte ich tatsächlich gepackt. Kennst du das: "Irgendwas hab ich bestimmt vergessen" Wird dann evtl. noch ergänzt ;)

Viel Spaß bei deiner Reise nach Uganda, Ostafrika oder sonstwo am Äquator :)
Ich schätze, wenn ich nächstes Jahr nach Indonesien fliegen sollte, um beim nächsten Muskathlon teilzunehmen, werde ich ganz ähnlich packen. Natürlich freue ich mich auch über deine Tipps!
Und wenn du auf der Reise bist oder warst, freue ich mich über ein Foto :)

Love,
Anni

Montag, 11. Juli 2016

Muskathlon Resümee

Am siebten Muskathlontag in Uganda war der Abreisetag. Wir hatten morgens noch einen Gottesdienst mit allen Teilnehmern, wir Deutschen und Schweizer sind dann aber zurück in unser Resort, da die Abreise erst für 16 Uhr geplant war.
So durften wir noch ein tolles Mittagessen gemeinsam genießen und hatten danach noch ein bisschen Zeit, um einfach zusammen zu sitzen. Und das war sooo schön :)
Außerdem haben wir alle ein 4M Polo bekommen. Tobias hat zwar schon eins, aber für mich war das neu. Ich bin jetzt zwar nicht so begeistert, dass ich es Tag und Nacht trage :D aber ich freue mich.

Irgendwann zwischendrin sind Tobias und ich dann umgezogen, die nächsten zwei Nächte haben wir im Resort nebenan verbracht, im Crater Bay, dazu mehr in einem anderen Post über unsere Zeit in Uganda nach dem Muskathlon.

Nun lag also eine ganze Woche hinter uns, gefüllt mit Eindrücken, Begegnungen und Gefühlen, die man sonst vielleicht in einem ganzen Jahr erlebt. Wie zieht man über so eine emotionale, anstrengende, glückliche, außergewöhnliche Woche ein Resümee? 
Ich bin so froh, dass Tobias und ich länger in Uganda geblieben sind. So konnten wir uns die Zeit nehmen, miteinander zu reflektieren, aufzuschreiben, nachzudenken, zu beten...
Ich denke mein Resümee ist: Da musst du auch mal mit!
Denn so ein Aufenthalt in einem armen Land, das von Ungerechtigkeit (und gleichzeitig SCHÖNHEIT!!) gezeichnet ist, wird dich auf jeden Fall verändern und prägen.
Es tut uns gut, einmal eine größere Perspektive einzunehmen und den Blick abzuwenden von der Welt, die sich nur um uns dreht.
Die Hände und Blicke der Kinder bringen dich in eine Welt, die nicht nur aus Geld verdienen und Geld investieren besteht, sondern aus lieben und leben.

Ich durfte miterleben, dass es Menschen gibt, die nichts haben außer Jesus. Und sie sind glücklich. Das will ich lernen und festhalten:
Jesus ist das EINZIGE, was ich zum Leben brauche!

Zum Muskathlonteam kann ich nur eins sagen: WOW! Danke für euren Einsatz, eure Liebe und eure Arbeit. Ja, es war vielleicht ein bisschen zu viel Programm. Aber wir sind ja schließlich auch nur eine Woche dort gewesen. Vielleicht hat hinter den Kulissen nicht alles reibungslos funktioniert, wir haben davon allerdings nichts mitbekommen. Ich finde, die Planung war super und ich bin Gott dankbar, dass alles so reibungslos geklappt hat.

Nächstes Jahr gibt es auch wieder viele Muskathlons, die beiden deutschsprachigen sind beide mit Compassion, einmal im Mai in Ruanda und einmal in Indonesien.
Tobias und ich träumen ja davon, dass wir nach Indonesien mitgehen! Kommst du mit uns?  :)

Love,
Anni




Sonntag, 10. Juli 2016

10/10 [Juli]

Bild von Brücke der Freundschaft!
Meine heutige 10/10 Spende geht an die Brücke der Freundschaft. Es handelt sich um eine humanitäre Hilfsorganisation, die Hilfe für die Menschen in Zambia, Tansania und Mexico bietet. Der Freund und Kollege meines Papas hat diese Organisation vor 40 Jahren gegründet und sie machen wundervolle und total vielfältige Arbeit, vom Brunnen, Solaranlagen und Häuser bauen bis hin zur begleitenden Hilfe wie Versorgung mit Medikamenten und das Lehren des Umgangs damit. Die Homepage ist sehr übersichtlich und klar aufgebaut. Schaut unbedingt mal vorbei, und wenn ihr Lust habt, dann spendet wie ich heute 10€ für diese tolle Arbeit. Menschen wie Klaus inspirieren und begeistern mich! Danke Klaus, für die Brücke der Freundschaft! :)


Love,
Anni


PS: Tut mir leid für das leere Posting heute morgen. Ich bin überrascht, ist wirklich schon wieder der 10.? :D

Montag, 4. Juli 2016

Halbzeit

Das Jahr 2016 hat Halbzeit.
Die 2. Hälfte ist bereits angebrochen.
Es ist Sommer.
Juli 2016.
Jeden Tag gibt es nur einmal.
Wie nutze ich diesen Juli?
Wie nutze ich diesen vierten Juli Zweitausendsechzehn?
Was ist mir wichtig in diesem Monat,
in diesem Jahr,
in diesem Leben?
Investiere ich in das Richtige?


Im Rückblick auf die erste Halbzeit bin ich so dankbar.
Bachelorprüfung abgeschlossen.
Uganda erkundet.
Mein Herz ist verändert.
Ich investiere in das Reich Gottes.
Ich setze alles -
gehe all in
auf Jesus.
Dann bin ich sicher.
Und weiß:

Meine Zeit steht in seinen Händen.

Love,
Anni

Montag, 27. Juni 2016

Muskathlon in Uganda Tag Sechs

Heute ist es ein langer Post geworden, aber der Tag war auch lang! Ich erinnere euch nochmal an die Videos von Compassion, die ihr auf Facebook findet. Vom Muskathlontag an sich findet ihr auch bei YouTube diverse Videos, die sich lohnen! :)

Es ist 23:30. Der Wecker klingelt. Normalerweise würde ich um diese Zeit eher erst ins Bett gehen, heute ist es Zeit zum Aufstehen. Ich bin müde und drehe mich nochmal um, verziehe das Gesicht. Muss ich wirklich schon aufstehen? Moment... JA! Heute findet endlich der tatsächliche Muskathlon statt! Das heißt 60 Kilometer liegen vor mir. Vielleicht bleibe ich doch lieber liegen... Tobias regt sich auch langsam. Er macht den Wecker aus. Haha, prima. Nein, ich will aufstehen und loslegen! 
Wir ziehen uns an, ich flechte mir Zöpfe, dass die Haare den Tag über gebändigt sind und die Füße werden mit Blasenpflastern vorbereitet. 
Ganz früh am nächsten Tag, um kurz nach 0:00 Uhr gehen wir zum Nudel- und Kartoffelbuffet. Viel Hunger haben wir nicht, aber wir brauchen Kraft für den Lauf. 
Beim Essen treffen wir Tino, der sich mit einem Restaurantangestellten unterhält. Durch das Gespräch werden wir noch ein bisschen fitter. 
Um 01:20 sind wir nun wirklich wach. Wir treffen uns mit den anderen, die 60 Kilometer gehen wollen und machen uns auf zum Startfeld. 
Im Vorfeld hatte ich ein bisschen Angst, dass wir im dunklen Uganda mitten in der Nacht allein unterwegs sein könnten. Darum hätte ich mir wirklich keine Gedanken machen müssen. Als wir auf dem Gelände ankommen, warten bereits 500 Ugander, die auch mitgehen wollen. Hier herrscht auch schon Partystimmung. Die ganze Nacht haben wir schon bis zu unserer Unterkunft die Musik gehört. Die typischen, spitzen, weißen Partyzelte sind aufgebaut und der Platz ist beleuchtet. 
Wir sitzen auf unseren Plastikgartenstühlen und warten darauf, dass es 2:00 wird. Es gibt noch einen kurzen Input, davon bekomme ich allerdings nicht viel mit. Ich überlege und bete, wie die nächsten Stunden wohl werden. Wir beschließen, dass es doch so warm ist, dass wir unsere Jacken gar nicht mitnehmen müssen. Kurz darauf versammeln wir uns vor der Startlinie. 21 Wanderer aus Europa sind wir, ausgerüstet mit Wanderschuhen, Teleskopstöcken, Stirnlampen und atmungsaktiver Kleidung.  Zwischen den Ugandern, die in Alltagskleidung und teilweise in Flipflops oder ohne Schuhe antreten, fühle ich mich ein bisschen unwohl. Aber viel Zeit zum Nachdenken habe ich nicht, wir zählen von 10 auf 0 und durch einen Goldregen zum Startschuss laufen wir los. Beziehungsweise, wir werden geschoben. Vorne geht es nicht schneller, überholen können wir nicht, Stöcke benutzen? Fehlanzeige, viel zu eng. Ich finde mich ziemlich schnell damit ab, dass wir uns erstmal mit dem Strom treiben lassen müssen, plaudere mal hier, mal da. Plötzlich habe ich drei ugandische Teenager an meiner Seite, die die komplette erste Runde mit mir gehen! Meine Stöcke finden sie besonders lustig, hier benutzen nur alte Menschen einen Stock zum Gehen. Ohne Stirnlampe wäre es stockdunkel, auf diesem unebenen Boden gibt es einige Stolperfallen, daher bin ich auch über meine Stöcke froh. Mit den Mädchen habe ich gute Gespräche und ich traue mich Fragen zu stellen, die ich Erwachsenen vielleicht nicht gestellt hätte. Eine von ihnen ist im Compassion Projekt, die anderen beiden nicht. Wir diskutieren über Reichtum und Gerechtigkeit (und ich lerne ganz viel Gelassenheit von den Teenies), klären die Frage, ob ich einheimischen Kindern mit gutem Gewissen winken kann (ja!) und versuchen ein bisschen zusammen zu singen.
Alle drei Kilometer gibt es einen Waterpoint. Hier gibt es ein Dixi-Klo (:D), Wasserflaschen, isotonische Getränke, Bananen und Schwämme, mit denen man sich abkühlen kann. Beim ersten Waterpoint gehen wir schnell vorbei, das Feld entzerrt sich ein bisschen und wir können nun unser Tempo laufen. Es geht meistens entweder bergauf oder bergab, auf gerader Strecke laufen wir selten, eigentlich nur, als es durch die Stadt Kabale geht. Sonst geht es durch kleinere Dörfer, durch einen Steinbruch oder einfach auf Staubwegen entlang. In den Dörfern sind alle Menschen wach, sie warten schon auf uns. Die Pfarrer stehen im Talar mit allen Gemeindemitgliedern vor den Kirchen, viele haben ein Compassionprojekt. Die Menschen empfangen uns mit Musik und Gesang, segnen uns, rufen uns Danke zu und winken uns mit Baumzweigen zu. Was für ein Fest!
Unseren ersten Stopp haben wir bei KM 15, ich muss auf die Toilette und wir essen ein paar Bananenstückchen. Immerhin sind wir auch schon drei Stunden unterwegs. 
Die letzten acht Kilometer der 21km Runde gehen bergauf durch den Steinbruch. Brutal! Jetzt in der Nacht ist hier niemand außer uns Wanderern. Tobias und ich laufen im gleichen Tempo wie Raphael aus dem Schweizer Team, also beschließen wir, gemeinsam zu gehen. Außerdem die drei Mädchen, die mit mir laufen wollen und gut Schritt halten. 
Wir haben nach der ersten Runde einen guten Schnitt von 5km/h. Damit sind wir sehr zufrieden. Wir entscheiden uns dafür, die Strecke der Biker zu gehen, diese fahren die normale 21km Runde und hängen dann eine 9km Schlaufe dran, die die Marathonläufer nicht laufen, für Wanderer ist sie offen. Am Ende werden wir dann 60km haben und 600 Höhenmeter weniger. Mit diesem Profil können wir den Lauf schaffen, kalkulieren wir. Wir haben nämlich nicht wie geplant um 0.00 gestartet, sondern zwei Stunden später. Dies hat uns ein wenig aus unserem Plan gebracht, wir rechnen bis jetzt, dass wir 14 oder 15 Stunden brauchen, sollen aber um 15 Uhr fertig sein. Knackig! 


Meine drei neuen Freundinnen begleiten uns jetzt nicht mehr, ab Kilometer 21 sind wir zu dritt unterwegs. Hier auf der Schlaufe sind wir anscheinend die ersten, die Menschen, die hier an der Strecke wohnen, sind doch etwas verwundert, uns zu sehen. Außerdem ist die Beschilderung nicht mehr jeden Kilometer, sondern erst nach 4,5 Kilometern, wo auch der einzige Waterpoint ist, ist das Zeichen zum Umdrehen. Daher fragen wir uns zwischendurch, ob wir auf dem richtigen Weg sind und ob wir einen Wegweiser übersehen haben. Aber wir haben alles richtig gemacht und gut gefunden :) 
Durch die Schlaufe haben wir einen super Blick auf den Bunyonyi See, den wir sonst nicht gehabt hätten. Als wir dort sind, geht auch gerade die Sonne auf. Eine schöne Morgendämmerung nach knapp 30 Kilometern. Und wir fühlen uns noch ziemlich fit. Auf geht's also in die zweite Hälfte. Meinen Rucksack lasse ich am Startfeld, mein Camelback (Wasserblase) ist sowieso leer. Da wir an unserem Resort vorbei laufen, bringen wir ihn kurz ins Zimmer und nutzen den Luxus einer Toilette in Privatsphäre. 



Auf geht es also in die zweite Hälfte, ca. um 8:30. Ganz genau weiß ich die Zeiten nicht mehr. Wir laufen* weiter, zu dritt. (* bei mir heißt übrigens alles laufen, was ich mit den Beinen mache. Ich weiß, dass das nicht überall in Deutschland so ist. Wenn ich laufen sage, dann meine ich wandern oder gehen! Wenn ich joggen meine, also das, was die Marathonläufer gemacht haben, dann schreibe ich joggen ;) ) Bis jetzt geht es uns sehr gut, haben wir dem Arzt am Startfeld versichert. Und es ist auch so. Dafür, dass wir schon eine komplette Tagestour hinter uns haben und es erst früher morgen ist, geht es uns wirklich gut. 
Es ist spannend, nun die Route im Tageslicht zu gehen. Den Weg durch die Dörfer genießen wir sehr, es ist landschaftlich wunderschön, wir haben durch unsere Höhenlage tolle Ausblicke und die Menschen sind freundlich. Kinder aus dem Dorf schließen sich uns an, laufen teilweise Kilometer weit mit uns. Ich klemme meine Stöcke unter den Arm und nehme die Kinder an die Hand. Kommunikation ist weder möglich noch nötig, wir laufen einfach gemeinsam. In diesem Moment weiß ich, warum ich das alles mache, denn ich laufe genau für diese Kinder, die gerade an meiner Hand sind und mir ab und zu verstohlene Blicke zuwerfen oder vorsichtig meinen Arm streicheln. Kinder, die keine Hoffnung haben, aus der Spirale der Armut ausbrechen zu können, weil sie am "falschen" Ort auf die Welt geboren wurden. 

Auf dem Bild oben seht ihr mich nach knapp 50 Kilometern. Da war ich dann schon ziemlich am Ende meiner Kräfte und ich zeige auf den Weg, wo wir herkamen. Das ist der 8km lange Anstieg. 
Ich habe ernsthaft mit mir gerungen, ob ich bei Kilometer 51 im Ziel bleiben soll, oder ob ich mit Tobias die letzten 9 Kilometer noch laufen soll. Ich hatte wirklich keine Lust mehr. Aber "aufgeben" hätte sich nicht richtig angefühlt. Ich hatte das Gefühl, wenn ich jetzt nicht die letzten 9 Kilometer weitergehe, hätte ich daheim bleiben sollen. Denn die Menschen hier haben keine Wahl. Ich schon. Und ich wollte mich dafür entscheiden, zu kämpfen. Das war meine persönliche Entscheidung und mein persönliches Empfinden. In dem allen ging es nicht um die Leistung an sich oder um die beste Zeit. Einige sind weniger gelaufen, als sie eigentlich geplant hatten und das ist auch gut und ok so. Aber für mich war es nicht richtig. Ich hatte die Kraft, nur nicht die Motivation, aber ich wollte bereit sein, ALLES zu geben. 

Und Gott hat mich die letzten Kilometer getragen, das kann ich wirklich sagen. Jeder Schritt war Anstrengung und bei jedem Schritt musste ich mich überreden, meinen Fuß hochzuheben. Ich wollte am liebsten einfach hinsetzen und warten, dass mich jemand vom Team abholt. Tobias hatte einen ähnlichen Durchhänger, den wir auch auf Video aufgezeichnet haben, aber das ist zu privat, das ist nur für uns :) Das war 4 Kilometer vor dem Ziel und ich dachte ich werde gleich verrückt. 

Aber: wir haben es tatsächlich geschafft! 60km in genau 13 Stunden! Kurz vor dem Zieleinlauf haben wir unsere ugandische Flagge ausgepackt, als Zeichen, dass wir für Uganda und für Gott, den König, der die ganze Welt in seiner Hand hält, gelaufen sind.


Kurz nach dem Bild wurden wir in den Arm genommen, gedrückt, haben unsere Medaillen bekommen und wurden gut versorgt mit Cola :D Bananen konnte ich einfach nicht mehr sehen.


Ich war so unendlich erleichtert und glücklich, aber auch einfach fix und fertig. Die beiden Bilder oben und unten fangen diesen besonderen Moment ganz gut ein. "Fertig wie ein Lachsbrot" sei ich, hat unser lieber Freund Andi (auch mit Blog) gesagt :) Recht hatte er!



 

Mit diesen zwei Mädels bin ich die erste Runde gelaufen: Esther (14) und Mable (17).


Am Abend hatten wir noch eine kleine Party mit allen Muskathleten in einem Pavillon, der zum Hotel der Holländer gehört. Dort hat man einen fantastischen Blick und es war eigentlich eine schöne Idee, aber mittlerweile waren Tobias und ich schon 20 Stunden wach, davon sind wir 13 Stunden gewandert und wir waren einfach nur müde. Ich war froh, als es wieder "heim" zu unserem Resort ging und wir ins Bett fallen konnten. 

Love,
Anni