Montag, 24. April 2017

Achtung, Falle!

Gerade lese ich in Hiob. In Kapitel 12, 12 steht: Weisheit gehört dem Alter, und Erkenntnis denen, die schon viele Jahre gelebt haben.

Gemein, denke ich. Ich will auch weise sein. Zack, die Falle ist zu. Ich nenne sie: die "Irgendwann-will-ich-auch-mal-so-sein"-Falle. Oder auch: die "Ich-bin-(noch)-nicht-gut-genug"-Falle.

Dass mit dem Alter die Erfahrung wächst ist wohl meistens tatsächlich der Fall. Ich bewundere Frauen, die älter sind als ich, für die Erfahrungen und Erlebnisse, die sie mit Jesus haben und um ihre Weisheit und Tiefe. Wenn ich mich so anschaue, dann bin ich manchmal meilenweit davon entfernt, was oder wie ich gerne wäre. Zu schüchtern. Zu ungesprächig. Zu stumpf. Zu teilnahmslos. Zu vorschnell. Zu ...

Dabei sagt Gottes Wort mir auch etwas ganz anderes:

"Niemand soll dich verachten, weil du noch jung bist. Sei allen Glaubenden ein Beispiel mit deinem Reden und Tun, deiner Liebe, deinem Glauben und deiner Reinheit."
1. Timotheus 4,12

Diesen Vers kenne ich schon lange und konnte ihn mir aus zwei Gründen immer gut merken. Erstens, und das ist etwas banal, ist der 4.12. mein Geburtstag und so konnte ich mir die Stelle gut einprägen.
Und zweitens habe ich schon als Jugendliche das Gefühl gehabt, noch nicht an dem richtigen "Punkt" angekommen zu sein, wo Gott mich wirklich gut gebrauchen kann oder vielleicht eher, wo ich selbst sein will. Das Denken war auf eine falsche Vorstellung von Gott gegründet. Gott liebt mich. Und er will mich. JETZT schon und genau so wie ich bin. Denn in seinen Augen bin ich schon so, wie er mich gemacht hat. In seinen Augen bin ich die, die ich in meinen Augen vielleicht nie sein werde. Aber ich halte mich daran fest: GOTT WILL MICH!

Wie sieht es heute aus? Jetzt bin ich Mitte 20 und fühle mich manchmal steinalt, doch für vieles immer noch zu jung. Für die Weisheit zum Beispiel.
Aber nun sind auch einige Jüngere unter mir. Die soll ich nicht verachten, das ist die Aufforderung von Paulus an die Älteren.
Aber ich verachte doch niemanden! Das ist so ein krasses Wort! Aber belächle ich nicht manchmal die ein oder andere eifrige Idee oder die Naivität, die Weltanschauung, die Unwissenheit, die Ungestümheit?

Was bedeutet denn dieser Vers von Paulus genau? Eigentlich ist der Vers oben nur ein kleiner Satz eines Freundes. Paulus schreibt seinem Freund Timotheus einen Brief, und wir dürfen hineinspickeln. Offensichtlich hat Paulus auch eine Vaterrolle für Timotheus eingenommen. Timotheus leitet eine Gemeinde und wird als "junger Mann" beschrieben. Da er eine Gemeinde leitet schätze ich jetzt aber mal, dass er nicht jugendlich ist, sondern wahrscheinlich sogar schon älter als ich. Und Paulus ermutigt Timotheus.

Ich erinnere mich an eine "Ermutigung", die ich erhalten habe.
"Pfff, also das Abi ist echt total leicht, das schaffst du locker. Ach was, das ist doch nicht viel zu lernen. Fang erstmal mit dem Studium an, dann hast du die Menge an Stoff in einem Semester."
Was denkst du? War das eine Ermutigung für mich? Nicht wirklich. Ich habe mich total herabgesetzt gefühlt und nicht gewürdigt in meiner subjektiven Wahrnehmung, dass ich vor einem großen und schweren Ereignis in meinem Leben stehe. Natürlich war es gut gemeint. Aber eine Ermutigung war es nicht für mich.

Ich will junge (jüngere) Menschen ermutigen und sie nicht verachten! Genau so, wie ich nicht verachtet werden will, weil ich noch nicht den Erfahrungsschatz einer 40- oder 80-Jährigen habe. Und auch nie haben werde. Ich werde den 2. Weltkrieg nicht miterleben, eine 80-Jährige kann dafür vielleicht kein Smartphone bedienen. Akzeptieren wir doch einfach, dass wir einander in unserer Unterschiedlichkeit und mit unseren unterschiedlichen Erfahrungen brauchen. Ich möchte ermutigt werden und ermutigen.
Ich will auch nicht in die "Ach-damals"-Falle rutschen sondern ermutigen, jede Phase des Lebens zu genießen und zu nutzen. Ich will auch nicht mehr in der "Irgendwann-will-ich-auch-mal-so-sein"-Falle landen, sondern jetzt schon leben. Und es gibt unzähliger solcher Fallen.
Ich will deshalb jeden Morgen neu meine Identität in Jesus neu begreifen. Ich bin gut und gewollt. Ich muss mir keine Sorgen machen (Phil. 4,1). Ich kann alles durch den, der mich stark macht (Phil. 4,13). Ich kann jetzt sogar schon ein Beispiel sein (siehe Bibelvers). Unabhängig von meinem Alter, meiner Weisheit, meinen Erfahrungen. Unabhängig von Bad Hair Day, Montagslaune und irgendeiner Falle, in die ich zu stürzen drohe. Denn Gott ist Liebe.

Liebe soll wachsen,
love
Anni

Montag, 17. April 2017

#unterwegs auf dem Westweg [Teil 1]


Ich habe euch hier schon ein bisschen mit durch den Schwarzwald und durch Südbayern mitgenommen. Ich möchte dies in eine Rubrik "Urlaub in Deutschland" erweitern und euch ermutigen, Deutschland zu erkunden! Es ist so ein schönes Land, mit vielen Ecken, die es zu entdecken gibt. Außerdem ist es ökologisch und ökonomisch sinnvoll :) Ich mache zwar auch sehr gerne Urlaub in einem anderen Land, dafür gibt es viele Gründe. Aber mir ist es auch wichtig, zu sehen und zu kennen, was vor meiner Haustür liegt.


Dazu erstmal folgende Eckpunkte:

Dauer:
2 Nächte (Samstag-Montag)

Unsere Route: 
Pforzheim - Dobel - Gernsbach 
Unsere Kosten: ca. 93€
2x Baden-Württemberg-Ticket Young: 52€, Verpflegung: ca. 35€, Eis: 6€ ;), Ausrüstung: bereits vorhanden

Drei lange freie Tage liegen vor uns, mit wunderschönem Wetter, laut Vorhersage. Tobias und ich packen die Rucksäcke, ziehen die Wanderschuhe an und los geht's einmal quer durch Baden-Württemberg mit dem Zug. Unser Ziel: die goldene Pforte und der Beginn des deutschen Fernwanderwegs "Westweg".
Der Westweg führt durch den ganzen Schwarzwald von Pforzheim bis Basel, ca. 285 Kilometer erkennbar an der "roten Raute".
Und da wir so nah am Schwarzwald wohnen kennen wir einige südliche Wegstücke. Tobi will schon lange den Westweg laufen, aber die 11 Tagesetappen am Stück zu schaffen braucht einen längeren Urlaub, der so schnell nicht in Sicht ist. Daher haben wir beschlossen, die Etappen aufzuteilen. Kurzerhand bestellen wir noch einen Westwegführer, den wir durch das praktische Format gerne weiterempfehlen.

Am Samstag Vormittag kommen wir in Pforzheim an und ein bisschen später auch an der 2km entfernten Goldenen Pforte. Der Weg dorthin führt ein Stück durch die Innenstadt und durch einen Park, entlang eines Lehrpfads über die Goldstadt Pforzheim und ist gut ausgeschildert.
Bei den insgesamt 11 Pforten kann man sich Stempel abholen. Mit 9 Stempeln erhält man ein kleines Geschenk vom Schwarzwaldverein. Wir werden also fleißig sammeln :)

Der Weg startet westwegtypisch abenteuerlich über ein schmales steiles Stück, bei dem ich froh bin, dass wir die Wanderstöcke mitgenommen haben. Tatsächlich ist die 1. Etappe eine größere Herausforderung für mich als gedacht. Meine letzte richtige Wanderung war allerdings auch vor 11 Monaten der Muskathlon. Danach hatte ich lange keine große Lust auf längere Strecken zu Fuß.
Der Weg führt weiter durch einen Stadtteil von Pforzheim und das steilste Wohngebiet das ich je gesehen habe. Dort würde ich nicht wohnen wollen, denn der Anstieg bis ganz oben geht geschätzt sicher eine halbe Stunde. Wir sind froh über die noch angenehmen Temperaturen und dass wir noch nicht 30 Grad haben.
Danach geht es an der Enz entlang, hier ist der Weg wunderbar und abwechslungsreich. In der Enz füllen wir unser Wasser auf, das können wir abends zum Kochen verwenden.
Ein weiteres Stück des Weges führt über einen Spazierweg am Waldrand entlang, hier herrscht bei dem schönen Sonnenschein reger Betrieb.
Die letzten 10 der 26 Kilometer von der ersten Etappe führen durch ein nicht enden wollendes Waldstück. Richtig wie im Schwarzwald fühlen wir uns nicht. Die Wege sind relativ breit, der Welt ein Mischwald. Wir sind beide müde, wollen ankommen und haben keine große Motivation mehr weiterzulaufen. Daher überlegen wir, ob wir nicht vor dem Etappenziel einfach unser Lager aufschlagen. Wir finden jedoch keine Stelle oder Hütte, die uns zusagt und entscheiden uns deshalb doch bis Dobel (=Etappenziel) zu gehen und die 26km Etappe zum Ende zu bringen. In Dobel laufen wir erstmal direkt auf das Gelände von EC zu und überlegen uns, ob wir hier schlafen können, direkt am Waldrand auf einer großen Wiese. Aufgrund des schönen Wetters sind aber noch viele Leute unterwegs und wir wollen es etwas privater. Also weiter. Durch Dobel durch, ein wirklich charmantes Städtchen.
Wir durchqueren schon die 2. Pforte und gehen noch ein Stück aus dem Ort hinaus, dort finden wir eine kleine Hütte, die Tobi schon aus einem YouTube Video kannte. Als wir ankommen sind wir jedoch nicht die ersten, eine junge Italienerin möchte auch hier nach der ersten Westweg Etappe die Nacht verbringen. Also essen wir gemeinsam Abend, lernen uns ein bisschen kennen, Tobi macht ein Feuer für uns. Lily baut ihr Zelt auf und wir richten unseren Schlafplatz unter dem Vordach der Hütte ein, als schon im Dunkeln und mit Stirnlampen ausgerüstet zwei junge Männer den Weg entlang kommen. Sie überlegen nur kurz, ob sie noch weitergehen sollen und schlagen schließlich auch bei uns ihr Lager auf. So liegen wir zu 5. ums Feuer und schlafen nach insgesamt fast 30 Kilometer alle ziemlich schnell ein.
Ich habe einen muckelig warmen Schlafplatz dank Daunenwinterschlafsack und (PET-Flasche mit heißem Wasser) Wärmflasche. Ich habe tatsächlich nicht gefroren und sehr gut geschlafen. Am nächsten Morgen bin ich aber noch ziemlich verschlafen als Tobi früh aufwacht. Meine Füße tun zwar nicht mehr weh wie am Vorabend, aber ich habe bereits 5 Blasen. Dass ich schnell Blasen bekomme haben wir schon lang gemerkt, darum treffen wir schon viele Präventionsmaßnahmen: tapen, eincremen, spezielle Socken. Und immer wieder kriege ich wirklich schlimme Blasen. Ich bin total genervt und frustriert und kann so schlecht laufen, dass ich sogar eine Schmerztablette nehme. Nach einer Weile und vor allem wenn der Weg nicht mehr nur bergauf führt gewöhnen sich meine Füße an das Weiterlaufen, aber uns ist klar, dass wir das Tagesziel nicht schaffen werden.
Lily, die nach uns losgegangen ist, überholt uns bei einer wunderschönen Frühstücksrast. Was gibt es schöneres als eine Scheibe Brot, ein Stück Käse mit Senf und einen Apfel in der Natur bei wärmenden Sonnenschein und der Welt beim Aufwachen zuzuschauen. Hier mache ich auch meine Katzenwäsche und wechsle von den Schlafsachen in das Wanderoutfit. Die Stelle ist nur wenige Kilometer von der Hütte entfernt und ein toller Frühstücksplatz.
Wir holen Lily bei einer Panoramaliege ein, auf der sie es sich bequem gemacht hat. Von dort aus gehen wir ein Stück zusammen, bis zur nächsten Hütte, wo wir an einem tröpfelnden Brunnen unseren Wasservorrat auffüllen. Der Weg bisher war wunderschön, über enge märchenhafte Wege, farnbedeckter Waldboden und Felsen links und rechts. Ab dem Brunnen ca. ist der Weg nicht mehr ganz so toll, eher eine Wanderautobahn, wie mein Schwager sagen würde. Breite Kieswege und hohe Tannen und Hochmoor links und rechts. Ein fast heideähnliches und Nordschwarzwald typisches Naturbild. Ganz anders als der Schwarzwald bei uns im Süden.
Da wir nicht mehr so auf den Weg achten müssen und die Wege recht eintönig sind fällt mir das laufen wieder schwerer. Bei der nächsten Hütte essen wir zu Mittag, nach ca. 15km. Wir gehen danach noch bis zur nächsten Bushaltestelle und lassen die letzten 10km der Etappe 2 aus. Stattdessen machen wir ein Mittagsschläfchen im Wald bis der Bus kommt und fahren dann nach Gernsbach, [gehört nicht zur Westweg Route!!] wo wir uns erstmal ein Eis kaufen. Wir schlendern durch das Städtchen und essen es vor der schönen St. Jakobs Kirche.

Ein bisschen oberhalb der Stadt gelegen entdecken wir beim Eisessen ein großes Denkmal, ein Kriegsdenkmal, wie sich herausstellt, als wir dort ankommen. Auf der Mauer davor bereiten wir uns mit dem Gaskocher unser Abendessen zu und genießen die Abendsonne.

Im Wald direkt oberhalb bauen wir unseren Schlafplatz auf: Folie auf den Boden, Auffangschutz aufgrund von Gefälle am Fußende, Isomatten und Schlafsäcke darauf und fertig. Da die Mücken in der Dämmerung kommen, kuscheln wir uns schon in die Schlafsäcke und schlafen auch bald ein. Der helle Mond, der rutschige Untergrund und irgendwann auch der Wind wecken uns oft. Auch wenn ich gerne draußen schlafe, genau so froh bin ich auch immer wieder wenn dann endlich die Sonne aufgeht :) Da wird mir jedes Mal Gottes Gnade viel tiefer bewusst, als wenn ich in meinem muckeligen Bett aufwache.

hier sieht man unseren Schlafplatz 

Von hier fahren wir zurück nach Hause und machen noch einen Zwischenstopp zum Mittagessen im wunderschönen Freiburg. Wir sind zwar auf dem Westweg nicht so weit gekommen wie geplant, hatten aber ein wunderbares Ferien-Wochenende in der Sonne, das uns beiden (bis auf meine Blasen) so gut getan hat. Wir hoffen, dass wir bald die nächsten Etappen des Westwegs wandern können.


Hast du schon mal vom Westweg gehört? Bist du selbst schon mal einen Fernwanderweg gelaufen? Und vor allem: Hast du gute Tipps gegen Blasen? ;)

Love, 
Anni





Freitag, 14. April 2017

Ostern mit Kleinkindern feiern

Gestern war es soweit: der letzte Arbeitstag vor Ostern und somit haben wir mit den Kindern in der Krippe auch Ostern gefeiert. Ich bin bei uns in der Gruppe für die biblischen Geschichten zuständig, und ich wollte die Gedanken, die ich mir gemacht habe, mit euch teilen, bzw. auch für mich festhalten :)

Ich habe ein bisschen Pinterest durchwühlt, ein bisschen die Kinderbibeln, die ich habe, durchgestöbert, alles rausgeschrieben, was mir gefiel und dann einen konkreten Plan für unsere Kinder gemacht.

Wenn ich den Kindern in meiner Gruppe, die alle unter 3 Jahren alt sind, von Ostern erzähle, dann möchte ich einen Fokus setzen: JESUS LIEBT MICH!
Die Aufmerksamkeitsspanne in diesem Alter ist noch nicht sehr lang und es ist aus meiner Sicht noch nicht dran schon konkret über das Sterben Jesu am Kreuz zu sprechen.

Es war gar nicht so einfach, etwas zu finden, das meinen Kriterien entsprach: es soll um Jesus gehen und nicht nur um Eier und Hasen, es soll kleinkindgerecht sein und auch mit mehreren Kindern in einer Einrichtung umsetzbar.

Ich habe mich dann für einen "Karwochenkalender" entschieden, mit acht Feldern von Palmsonntag bis Ostersonntag. Die Verwendung ist ähnlich wie bei einer Adventsspirale. Jeden Tag rückt in unserem Fall die Legofigur Arzt im weißen Kittel Jesus (nicht auf dem Bild) ein Feld weiter vor. Wir sprechen darüber, was wir sehen, was da auf Jesus zukommt, warum es dunkel wird und wieder hell.


Außerdem hätte ich gerne noch mit den Kindern eine Osterkerze gestaltet, aber das hat aus mehreren Gründen nicht geklappt. Ein Osterstrauß ist eine weitere schöne Idee. 
Ich merke, dass viele Traditionen wunderbaren Ursprung haben und man mit den Kindern schon früh über die Bedeutung sprechen kann. Wenn man einen Osterstrauß allerdings nur hinstellt, weil man es so macht und es vielleicht hübsch aussieht, dann ist es eigentlich sinnlos, außer dass es Dekozwecken dient und das Schmücken eine tolle Aktivität für die Kinder ist. 
Ich fange jetzt erst an, Traditionen zu lieben, weil ich merke, dass sie Ursprung, Symbolik und Zweck haben. Bis jetzt erschienen sie mir immer zu starr und nicht sinnvoll, aber je älter ich werde, desto mehr denke ich um.

Gestern haben wir dann noch darüber gesprochen, warum es überhaupt Süßigkeiten gibt. Na klar, weil wir Jesus feiern und zu einem Fest gehört leckeres Essen und Freude! Wir feiern, dass Jesus uns liebt und stärker ist als alles, was uns Angst macht oder was uns traurig macht. Jesus ist so stark, dass er alles besiegen kann.

Das war meine Botschaft, ich bete, dass sie bei den Kindern ins Herz sinkt. 
Natürlich haben wir danach auch noch Osternestchen gesucht. Die Verknüpfung mit dem Osterhasen ist nicht so leicht für mich. In der Krippe muss ich mich fügen aber ich denke nicht, dass es für meine Kinder einen Osterhasen gibt. Wie ist das bei euch in der Familie? Erzählt doch mal ein bisschen von euren Traditionen :)

Ganz wundervolle Ideen habe ich hier entdeckt, leider zu spät für dieses Jahr:
Aber Ostern kommt bestimmt mal wieder. ;)

Ich wünsche euch gesegnete Ostertage! Der Herr ist auferstanden! Halleluja :)

Love,
Anni

Freitag, 7. April 2017

Herz an Herz

Über rote Wege, 
über hohe Berge,
durch tiefe Täler,
durch dunkle Nacht.

Vorbei an Kindern,
vorbei an Tieren,
im schönsten Hotel,
im dreckigsten Slum.

Hand in Hand,
Fuß vor Fuß,
Körper neben Körper,
Herz an Herz.

Schweigend, 
lachend,
weinend,
teilend. 

Ich mit dir.
Du mit mir.
Wir. Immer.
Herz an Herz.



Ich kann nicht glauben, dass es fast ein Jahr her ist, seit wir in Uganda waren, seit ich mein Mädchen Dorcus gedrückt habe und seit Tobi und ich 60 Kilometer gewandert sind. Ich spüre noch die Verrücktheit dieser Wochen, das Glück und die Zufriedenheit, die Dankbarkeit, das Herz an Herz sein... und ich sehne mich zurück. 

Habt ein wunderbares sonniges Wochenende und sagt euren Lieblingsmenschen, wie sehr ihr sie liebt.
Love, 
Anni

Montag, 20. März 2017

Warum ich Watoto nicht wieder besuchen würde

So, jetzt geht es mal wieder um etwas anderes als meine Ernährung *lach*

Die Überschrift für diesen Artikel ist krass. Aber meine Erfahrung in Uganda war auch krass. Und ich würde tatsächlich nicht mehr zu Watoto oder irgendeinem anderen Kinderheim gehen und viel Geld spenden.

Wir haben ein Wochenprogramm bei Watoto gebucht, als wir letztes Jahr in Uganda waren.
Wir waren beeindruckt, von dem, was wir von Watoto wussten. Auf der ganzen Welt reisen Kinder-Chöre umher um Spenden zu generieren und Watoto, ein Kinderheim das von einem kanadischen Ehepaar gegründet wurde und mittlerweile mehrere Standorte in Uganda hat, bekannter zu machen. Das besondere an Watoto ist, dass die Kinder in kleinen "Familien" wohnen. Eine Mutter wohnt mit bis zu 8 Kindern in einem Haus im Watoto Dorf. Der Aufbau ist ähnlich wie in einem SOS-Kinderdorf, die es auch in Deutschland gibt. Und die Dörfer sind schön! Es ist sauber und gepflegt, die Häuser sind aus Stein gebaut, die Kinder haben saubere Kleidung an.



 Wir starteten unser Programm nach einer Erholungswoche in Jinja und nach dem Muskathlon. Wir hatten also schon ein Stückchen von Uganda kennen gelernt. Und da sieht es definitiv auch ganz ganz anders aus, meistens schon auf der anderen Zaunseite außerhalb eines Watoto Dorfs.
Jeden Tag wurden wir von einem Fahrer abgeholt, um die Arbeit von Watoto kennen zu lernen. An einem Tag halfen wir bei einem Gartenbauprojekt für eine ältere Dame, an einem Tag besuchten wir den Gottesdienst der riesigen Watoto Church in Kampala, an einem anderen Tag halfen wir praktisch: Tobi malte Fensterrahmen an und ich half in der Kleinkindgruppe des Kinderheims.

Die größeren Kinder leben mit einer Mutter in einer Familie. Doch die Kleinkinder nicht. Erst ab 3 Jahren kommen sie in eine "richtige Familie". Und mir hat es fast mein Herz zerrissen. Geplant war, dass ich den ganzen Tag dort bin, mit einer kurzen Mittagspause. Doch ich habe es nicht ausgehalten und bin nach der Mittagspause einfach nicht zurück gekommen. Ich weiß, sehr schwach und feige. Aber so habe ich mich gefühlt: schwach, machtlos, klein. Meine kritischen Nachfragen führten zu nichts. Meine Versuche, die Kinder auf den Arm zu nehmen wurden unterbunden. Ich war zu emotional und konnte nicht mehr klar denken.

Wieder zuhause sah ich, dass es keine Kinderheime geben müsste, wenn 7% von 2 Milliarden Christen ein Kind adoptieren würden, dann gäbe es keine Waisen mehr.
auf Pinterest gefunden
Nunja, ich denke diese Statistik hinkt. Denn nicht alle Kinder, die in einem Waisenhaus sind, sind tatsächlich Waisen. Und nicht alle Waisen sind statistisch erfasst. Die genaue Zahl an Kindern, die ohne ihre Eltern oder nicht in einer Familie leben, ist also eigentlich nicht bekannt.

Das fühlte sich alles nicht richtig an. 

Und dann sah ich dieses Video. (leider auf englisch) Und ich weinte, weil ich so entsetzt war. Entsetzt, dass wir Menschen Dinge einfach glauben, ohne zu hinterfragen. Dass wir durch unser Helfenwollen manches scheinbar noch schlimmer machen. Und überhaupt, dass anscheinend alles so außer Kontrolle geraten ist, auf dieser Welt.
In dem Video spricht die Australierin Tara Winkler darüber, dass Kinderheime abgeschafft werden sollten. Sie selbst voluntierte in einem Waisenheim in Kambodscha und nachdem sie feststellte, dass der Leiter nicht nur korrupt war, sondern die Kinder auch missbrauchte, gründete sie sogar selbst ein Waisenhaus.
Als sie die Sprache besser lernte erkannte sie immer mehr, dass fast kein Kind, das bei ihr lebte, wirklich Waise war oder keinen Verwandten hatte, der sich kümmern würde. Auch in Uganda wurde uns das so im Abide Family Center berichtet.
Sehr viele Kinder, die in Waisenhäusern leben, sind keine Waisen.
Das ist erschreckend.  Und traurig. Denn der Grund, aus dem die Kinder nicht in ihrer Familie aufwachsen können, ist fast immer eine finanzielle Entscheidung. Wenn eine Mutter entscheiden muss, ob ihr Kind verhungert oder nicht bei ihr aufwächst, entscheidet sie sich natürlich (aus Liebe!) für ein Waisenhaus.
Doch das sollte nicht der Ansatz sein.
Heute wissen wir, dass es für ein Kind fast immer am allerbesten ist, in seiner Familie aufzuwachsen.
Das wirkt sich in vielerlei Hinsicht auf die psychische und physische Gesundheit aus. Doch in vielen Ländern Asiens und Afrikas wachsen Generationen auf, die elterliche Liebe und Fürsorge nicht kennen und vermutlich dann auch ihren eigenen Kindern später nicht geben können.
Die Zahl der Kinder, die in Waisenhäusern lebt, ist erschreckend. Tara Winkler erzählt, dass die Zahl der Kinder in Waisenhäusern in Uganda seit 1992 um über 1000% gestiegen ist! Und das, obwohl in Uganda Probleme wie Aids und Krieg, die wirkliche Waisen schaffen, immer mehr zurück gehen.
Ich kann es nicht so leidenschaftlich und wortgewandt ausdrücken wie Tara Winkler, obwohl mein Herz brennt!
Nun, der Grund, warum dieses System funktioniert, sind wir: Menschen, die Gutes tun wollen, die Kinderheime besuchen oder Geld spenden oder sogar gründen. 
Das zu realisieren ist wie ein Schlag ins Gesicht. Bei Watoto zu sein, nachdem ich im Abide Family Center alles darüber gehört habe, dass Familien aus finanzieller Not heraus kaputt gehen, hat mich an eine emotionale und psychische Grenze gebracht. Doch wir konnten unseren Aufenthalt auch nicht mehr stornieren und sagten uns, dass wir uns selbst ein Bild machen sollten.

Jetzt ist es mir umso wichtiger, darauf aufmerksam zu machen. Überlege dir gut, was für eine Organisation du unterstützt. Dass wir unseren Reichtum teilen sollen, das steht für mich außer Frage. Aber ich will mein Geld gut investieren und Menschen und Familien damit dienen. Nicht sie zerstören.

Hilfen, die ich persönlich kenne und euch wirklich ans Herz legen kann, sind Compassion (weltweit) und das Abide Family Center (Uganda). Beide Organisationen setzen sich dafür ein, dass Familien bzw. die Kinder in der Familie unterstützt werden, statt sie herauszulösen. 
wir besuchen die Familie von unserem Patenkind

Es war mir so ein Herzensanliegen, das mit euch zu teilen. Ich weiß, viel zu lesen, aber ich hoffe, du hast bis hier durchgehalten :) Ich freue mich über deine Gedank
en dazu :)

Love,
Anni


Freitag, 17. März 2017

Das Essen ist schön - mein Fasten Resümee

Samstag, 11.3.17, 9:00, Schlageten im Südschwarzwald, Gruppenhaus Hirschen

Vor mir ein gedeckter Frühstückstisch. Alles ist da, was das Herz begehrt: Früchte, Eier, Brötchen, in der Küche werden gerade Pancakes gebacken. Und vor mir auf dem Teller ein kleines Schälchen mit einem kleingeschnittenen Apfel und eins mit eingeweichten getrockneten Feigen. Heute ist der Tag, an dem ich wieder essen werde. Nach 10 Tagen. Ich habe keine Eile, keinen Hunger, aber ich freue mich auf das Essen. Ich nehme wieder an diesem wundersamen gemeinschaftlichen Erlebnis teil.
Auch am Abend zuvor saß ich mit am Tisch. Aber ich habe nicht teilgenommen an der Tischgemeinschaft. Ich konnte nicht sagen: "Wirklich gut gekocht." Ich konnte nicht sagen: "Was schmeckt dir am besten? Ich liebe diese Guacamole. Verrate mir doch dein Rezept."
Weil ich nicht geschmeckt habe. Nur dabei saß.
Aber heute, heute nehme ich wieder teil. Ich esse zwar nicht die gleichen Sachen wie meine Freunde vom Hauskreis, mit denen ich das Wochenende verbringe, aber wir essen gemeinsam. Und ich liebe es. Essen ist schön! Das Leben ist schön!


Freitag, 17.3.17, 9:00, daheim auf meinem Sofa

Vor mir ein leerer Teller mit dem Kerngehäuse eines Apfels darauf (das ich gleich mit meinen Meerschweinchen teilen werde). Seit einer knappen Woche esse ich wieder. Langsam, wenig, roh und hauptsächlich Obst und Gemüse, dass die Verdauung etc. wieder in Schwung kommen kann. Und ich liebe es. Essen ist so wunderbar. Aber es ist auch schwierig. Es ist viel schwieriger, "richtig" und ausgewählt zu essen, als gar nicht zu essen.


Wie hat 10 Tage Fasten meine Beziehung mit Gott verändert?

Ich habe mich durchgetragen gefühlt und habe keineswegs Mangel erlebt. Fasten ist ein Verzicht und ich hätte ab und zu gerne zu Schokolade oder Käsebrot gegriffen. Aber ich hatte nie ein unstillbares Verlangen, wie ich es schon beim Heilfasten hatte. Damals habe ich sogar von Essen geträumt. Jetzt war es eher Nebensache, mein Hunger nach Gott ist gewachsen. Leider habe ich mir viel zu wenig Zeit genommen, während dem Fasten auch zu beten und mehr intensivere Zeiten mit Gott zu verbringen. Und obwohl das so war, habe ich mich geliebt und geführt gefühlt.
Fasten ist Herzenssache. Gott sieht mein Herz. Und mein schlechtes Zeitmanagement. Und er liebt mich so, genau so. Das habe ich erleben dürfen. Ich habe Heilung erleben dürfen. Mein Daumen wurde geheilt, aber auch mein Herz.

Nicht Essen ist mein Tröster, sondern der Heilige Geist.
Nicht Essen macht Gemeinschaft, sondern Gott, unser Vater.
Nicht Essen macht das Leben schön, sondern Jesus, der das Leben ist!


Was habe ich sonst noch daraus gelernt, 10 Tage auf Essen zu verzichten?

Ich möchte meinen Körper als Tempel für Gott sehen und gesund und schön erhalten und pflegen.
Ich möchte verantwortungsbewusst mit den Nahrungsmitteln und dem Geld umgehen, das Gott mir zur Verfügung stellt.
Ich möchte weniger Essen verschwenden und weniger nebenher reinstopfen.
Ich möchte das Essen genießen und als Geschenk aus Gottes Hand nehmen.
Ich möchte Gemeinschaft und das Essen in Gemeinschaft feiern, lieben und häufiger tun.
mein Lieblingsessen im Moment - Avocadobrot mit Zitronensaft und Kresse


Meine Mama hat auch gefastet und zelebriert das Essen gerade, da kann ich viel von ihr lernen. Schaut doch mal bei ihr auf Instagram vorbei :)

LOVE,
anni






Mittwoch, 15. März 2017

Zwei Diamanten - unsere Hochzeit

Wir haben früh geheiratet. Vor genau 4,5 Jahren mit 19 und 20 Jahren.

Meine Mama hat so einen schönen Satz gesagt, um uns damals zu ermutigen.
Sie sagte, so wie Diamanten geschliffen werden, um ihre volle Schönheit zu entfalten, so können wir uns aneinander "schleifen".
Sie meinte damit, dass wir zusammen erwachsen werden dürfen. Denn was wir wohl am häufigsten hörten, wenn Bedenken geäußert wurden:
Aaaaaaber, ihr seid ja noch nicht erwachsen. Was ist, wenn ihr euch in verschiedene Richtungen entwickelt?

Meine Mama nahm diesen Bedenken den Wind aus den Segeln. Und dafür bin ich ihr so dankbar. Und merke: sie hatte so Recht. Jetzt, mit Mitte 20, wo langsam unsere Freunde auch heiraten, merken wir immer mehr, wie sehr wir mittlerweile eine Einheit gebildet haben. Wir haben uns nicht in unterschiedliche Richtungen entwickelt. Im Gegenteil. Wir wachsen Jahr für Jahr aneinander und miteinander. Für dich mag das Glückssache sein, aber für mich ist es Gottes Segen und ein Zeichen seiner Liebe zu uns.

Unsere ersten Jahre waren nicht einfach. Auch ein Diamant entsteht unter höchstem Druck. Doch ist ein Diamant einmal entstanden, so ist es der härteste natürliche Stoff, der kaum zerstört werden kann. Das wünsche ich mir auch für unsere Ehe. Dass wir gefestigt durch alle Stürme gehen, die da vielleicht kommen mögen. Wir beide,  aber vor allem wir mit Gott. IJV ist in unsere Eheringe eingraviert. Es steht für: in Jesus verbunden&vertrauen!


Love,
Anni

Fotos von Hendrik Gassmann